Langes Sitzen auf Reisen kann für das Venensystem zur Belastung werden. Kompressionsstrümpfe wirken dem entgegen. / © Getty Images/Alona Siniehina
Eine lange Reise in vorwiegend sitzender Position kann das Risiko für eine venöse Thromboembolie erhöhen. Betroffen ist das tiefe Venensystem. »Durch die Immobilität kommt es zu einer Stase, das heißt, das Blut versackt in den unteren Extremitäten, der venöse Rückfluss kommt ins Stocken. Das ist der entscheidende Grund für eine Reisethromboembolie«, erklärte Privatdozentin Dr. Carola Hoffmann-Wieker bei einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.
Auch die Länge der Reise spielt eine Rolle. Kritisch sei ununterbrochenes Sitzen länger als vier Stunden, egal ob im Flugzeug, Auto oder Bus. Dann steige das Risiko für eine Reisethrombose auch bei Nichtrisikopatienten. »Etwa 1 von 4500 Flugpassagieren erleidet eine tiefe Venenthrombose. Bei Risikopatienten kann das Risiko deutlich höher sein und tritt schon ab einer Reisedauer ab 2 Stunden stillem Sitzen ein«, so die Chefärztin der Klinik für Gefäßchirurgie im Diakonissen-Stiftungskrankenhaus Speyer. Prinzipiell könne aus einer Venenthrombose immer eine Lungenembolie erwachsen – auch nach dem Flug.
Für die meisten gesunden Menschen sei das Risiko sehr gering, beruhigte die Gefäßspezialistin. Hier reichten kleine gymnastische Übungen im Sitzen wie regelmäßiges Fußkreisen und -wippen, um die Muskelpumpe zu aktivieren und den Blutfluss aufrechtzuerhalten.
»Ein wichtiger Teil der Thromboseprävention ist zudem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wasser ist die beste Wahl, um die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern«, sagte die Expertin. Auch gegen den »klassischen« Tomatensaft im Flugzeug oder andere Fruchtsäfte sei nichts einzuwenden; sie liefern neben der Flüssigkeit auch Mineralstoffe. Von Kaffee und Alkohol riet sie hingegen ab. Beide wirken harntreibend, das heißt, der Körper verliert dadurch schneller Flüssigkeit.
Menschen mit einem mittelgradig erhöhten Thromboserisiko sollten zusätzlich Thrombosestrümpfe tragen, empfahl Hoffmann-Wieker – auch wenn Studien dazu keine klare Empfehlung gäben. »Doch sie erhöhen den Druck auf die Venen, um das Blut zum Herzen zurückzuführen.« Die Kompressionsstrümpfe sollten 10 bis 20 mmHg Knöchelanpressdruck entfalten, bei Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz 20 bis 40 mmHg.