Wenn es mal schnell gehen muss, verleihen Trockenshampoos der Frisur einen prima Frischekick. / © Getty Images/fizkes
In den 1970er-Jahren waren Trockenshampoos schon einmal sehr gefragt. Nach einem jahrzehntelangen Nischendasein entwickelte sich das »Shampoo to go« jetzt zu einem Trendprodukt in peppiger Aufmachung. Sein angestaubtes Image hat es längst abgelegt und gilt jetzt als zeit- und Wasserressourcen-sparende Option, wenn es um die perfekte Frisur ganz nebenbei geht. Vor allem in den sozialen Medien wird es als perfekter Nothelfer präsentiert. Es gibt Produkte in Aerosol-Form oder als Puder.
Das Wirkprinzip beruht darauf, dass die Inhaltsstoffe des Trockenshampoos überschüssigen Talg von der Kopfhaut absorbieren, der die Haare fettig aussehen lässt. Dabei ziehen pudrige Bindemittel das Fett an und nehmen es auf. Nach einer kurzen Einwirkzeit bilden sich kleine Klümpchen, die schließlich ausgebürstet oder ausgeföhnt werden.
Auftragen, kurz einwirken lassen – und schon sieht das Haar nach dem gründlichen Ausbürsten wie frisch gewaschen aus. Es hat wieder Volumen und Griffigkeit. Bei technologisch gut aufgearbeiteten Produkten – die Partikelgröße ist hierbei entscheidend - sind durch gründliches Ausbürsten auch praktisch keine weißen Rückstände im Haar mehr sichtbar. Fürs Entfetten sorgen heutzutage Mais- oder Reisstärke, Hafermehl sowie mineralische Bestandteile wie Tonerde. Früher kamen vermehrt Talkum und Magnesiumcarbonat zum Einsatz.
Über eines sind sich Dermatologen jedoch einig: Zuviel Trockenshampoonieren kann prinzipiell die Kopfhaut austrocknen. Durch verstopfte Poren und Rückständen auf der Kopfhaut sind Irritationen möglich. Bei der herkömmlichen Haarwäsche verbleiben dagegen weniger oder keine Rückstände auf der Kopfhaut. Milde herkömmliche Shampoos enthalten auch generell weniger Inhaltsstoffe als Trockenshampoos.
Die Verbraucherschützer von Öko-Test haben in ihrer Februar-Ausgabe Trockenshampoos aus Drogerien oder Supermärkten getestet. Ihr Appell: Verbraucher sollten die INCI-Liste genau zu studieren und vor allem auf den Inhaltsstoff Talc (engl. für Talkum) zu achten. Von Trockenshampoos mit diesem Mineral rät die Zeitschrift klar ab. Einige wenige Zubereitungen enthielten jedoch eben dieses, darunter zwei Naturkosmetik-Produkte. Verunreinigungen mit Asbest gab es allerdings nicht.
Talkum, also Magnesiumsilikat-Hydrat, war vor einigen Jahren aufgrund möglicher Verunreinigungen mit Asbest, das als krebserregend gilt, in die Kritik geraten. 2024 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung dann selbst asbestfreies Talkum als »wahrscheinlich krebserregend« für Menschen ein.
Zudem hat der Ausschuss für Risikobewertung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) vorgeschlagen, Talkum als CMR-Stoff der Kategorie 1B (wahrscheinlich krebserregend beim Menschen) einzustufen. Schließt sich die ECHA dieser Einschätzung an, würde dies das Aus für den Stoff in Kosmetikprodukten bedeuten. Noch ist aber nicht klar, wann die Behörde über die Neueinstufung von Talkum entscheiden wird.
Auch andere Inhaltsstoffe sollten die Hersteller besser aus ihrer Rezeptur streichen: Schwermetalle, potenziell allergieauslösende Duftstoffe und synthetische Polymere. Denn die Testerinnen und Tester stießen neben Talkum stellenweise auf weitere bedenkliche Stoffe. So enthielt ein Trockenshampoo Kaolin. Dabei handelt es sich um Tonerde, die von Natur aus mit Schwermetallen verunreinigt sein kann – und es in diesem Fall auch war. Laut Ökotest waren die Gehalte an Arsen und Nickel zu hoch. Letzteres ist laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund der häufigste Auslöser für Kontaktallergien. Auch der Duftstoff Hydroxycitronella hat ein vergleichsweise hohes Potenzial, Allergien auszulösen.
Stichpunkt Arsen: Giftige Schwermetalle sind laut EU-Kosmetikverordnung in Kosmetika verboten – eigentlich. Sie dürfen nur dann nachweisbar sein, wenn es bei guter Herstellungspraxis technisch nicht zu vermeiden ist, und die Mittel dennoch sicher für die Gesundheit sind. Der dafür festgelegte technisch vermeidbare Wert wurde von einem Trockenshampoo in der Laboranalyse überschritten.