Holunderblüten werden meist als Sirup verarbeitet. Sie sind aber auch eine traditionelle Arzneidroge, die vor allem als Tee eingesetzt wird. / © Adobe Stock/nmelnychuk
Kaum eine heimische Pflanze war früher so eng mit Hof, Haus und Heilkunde verbunden wie der Holunder. In vielen Regionen durfte ein Holunderstrauch am Haus nicht fehlen. Man sagte, er schütze vor Blitz, Krankheit und bösen Geistern. In der germanisch geprägten Volksüberlieferung wurde der »Hollerbusch« mit Frau Holle in Verbindung gebracht – jener sagenhaften Gestalt, die nicht nur Betten ausschüttelt, sondern auch über Fruchtbarkeit, Geburt und Tod wachen sollte.
Eine Anekdote aus der Volkskunde: Wer einen Holunder fällen wollte, sollte sich vorher verneigen oder um Erlaubnis bitten. Das klingt heute poetisch, zeigt aber, welchen Respekt man dieser Pflanze entgegenbrachte. Vielleicht auch deshalb, weil sie gleich doppelt nützlich war: Im Frühsommer lieferte sie duftende Blüten, im Spätsommer dunkelviolette Beeren.
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra L.) gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse. Die anspruchslose Pflanze wächst als Strauch oder kleiner Baum, häufig an Waldrändern, Hecken, Böschungen und in heimischen Gärten. Typisch sind die gegenständig angeordneten, unpaarig gefiederten Blätter und die flachen, schirmrispigen Blütenstände mit vielen kleinen, cremeweißen Einzelblüten. Die Blütezeit liegt je nach Region und Witterung meist zwischen Mai und Anfang Juli. Aus den befruchteten Blüten entwickeln sich später die glänzend schwarzvioletten Holunderbeeren.
Pharmazeutisch verwendet werden die getrockneten Blüten als Sambuci flos. Die Europäische Arzneimittel-Agentur, kurz EMA, stuft Holunderblütenzubereitungen als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein – zur Linderung früher Symptome einer Erkältung, basierend auf langjähriger Anwendung.
Holunderblüten sind phytochemisch durchaus interessant. Zu den relevanten Inhaltsstoffen zählen vor allem Flavonoide wie Rutin, Quercetin- und Kämpferol-Derivate. Außerdem enthalten sind Phenolcarbonsäuren beziehungsweise Hydroxyzimtsäure-Derivate wie Chlorogensäure. Auch geringe Mengen ätherisches Öl tragen zum charakteristischen Duft bei. Diese sekundären Pflanzenstoffe werden vor allem mit antioxidativen und entzündungsmodulierenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Flavonoide und Phenolsäuren können dazu beitragen, reaktive Sauerstoffverbindungen abzufangen und körpereigene Schutzmechanismen zu unterstützen.
Daneben enthalten Blüten und Früchte des Schwarzen Holunders verschiedene Mineralstoffe. In Untersuchungen werden unter anderem Kalium, Calcium, Magnesium, Natrium und Phosphor beschrieben. Für die praktische Beratung ist aber wichtig: Holunderblütentee ist kein »Mikronährstoffpräparat«, sondern eine traditionelle Arzneitee- und Genusszubereitung mit sekundären Pflanzenstoffen.