Aus den Blüten entwickeln sich im Spätsommer die dunkelvioletten Holunderbeeren. Sie sind reich an farbgebenden Anthocyanen, die zu den Polyphenolen zählen. Roh oder unreif sollten Holunderbeeren nicht verzehrt werden: Samen und andere Pflanzenteile enthalten cyanogene Glycoside wie Sambunigrin. Diese können Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Durch ausreichendes Erhitzen werden die Stoffe weitgehend abgebaut. Deshalb werden Holunderbeeren traditionell zu Saft, Gelee, Mus oder Suppe verarbeitet.
Die Blüten werden in der traditionellen Pflanzenheilkunde vor allem bei beginnenden Erkältungskrankheiten eingesetzt. Der Klassiker ist der heiße Holunderblütentee, gerne auch in Kombination mit Lindenblüten. Im Vordergrund stehen dabei Wärme, Flüssigkeitszufuhr und die traditionell geschätzte schweißtreibende Wirkung – weniger ein einzelner Wirkstoff. In der pharmazeutischen Monographie wird für Holunderblüten jedoch ein Mindestgehalt an Flavonoiden genannt.
Die Anwendung ist traditionell begründet; sie stützt sich also vor allem auf langjährige Erfahrung und nicht auf eine umfassende klinische Evidenzlage. Holunderblüten eignen sich somit gut als unterstützende Maßnahme bei leichten, unkomplizierten Erkältungsbeschwerden. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte Holunderblütentee jedoch nicht ohne ärztliche Rücksprache eingesetzt werden.
Geerntet werden die Blütenschirme an einem trockenen, warmen Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist und die Blüten vollständig geöffnet sind. Dann ist ihr Aroma besonders intensiv. Sammelorte sollten möglichst fern von stark befahrenen Straßen, gespritzten Feldrändern und Hundespazierwegen liegen. Wichtig ist auch die sichere Bestimmung: Gesammelt wird der Schwarze Holunder. Unsichere Pflanzen sollten grundsätzlich stehen bleiben. Die Blütenschirme werden am besten vorsichtig abgeschnitten und locker in einen Korb gelegt. Nicht in Plastiktüten sammeln – dort schwitzen die Blüten und verlieren schnell an Qualität.
Zu Hause gilt: nicht gründlich waschen, sonst geht viel Aroma verloren. Besser vorsichtig ausschütteln und kleine Insekten entfernen. Für Tee werden die Blüten locker ausgebreitet und an einem luftigen, schattigen Ort getrocknet. Direkte Sonneneinstrahlung ist ungünstig, weil sie Aroma und empfindliche Inhaltsstoffe beeinträchtigen kann.