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Nutzen und Grenzen
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KI bei psychischen Problemen – eine Hilfe?

Fehlende Therapieplätze, lange Wartezeiten und die Frage: Passt es menschlich überhaupt? Wer psychologische Hilfe sucht, ist in Deutschland häufig mit Hürden konfrontiert. Da wirken Chatbots wie Gemini, Claude oder ChatGPT für manche wie ein verständnisvoller Zuhörer für die Hosentasche.
AutorKontaktdpa
Datum 24.06.2026  14:00 Uhr

Können Chatbots bei psychischen Problemen wirklich helfen?

Ein aufmerksamer, zugewandter und stets verfügbarer Zuhörer: »Für die meisten von uns ist das erst mal attraktiv«, sagt Kevin Hilbert, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Health and Medical University Erfurt (HMU). Erste Studien würden nahelegen, dass die Nutzung von künstlicher Intelligenz bei leichten psychischen Belastungen möglicherweise wirksamer ist als gar nichts zu tun.

Gerade dann könnten die Systeme helfen, indem sie die Nutzer stärken, ihre Gedanken sortieren und bei der Reflexion unterstützen. »Erste Studien zeigten auch recht gute Ergebnisse, wenn es um Ängste, hohen Stress oder beginnende depressive Symptome geht«, so Hilbert. Insgesamt sei die Studienlage jedoch noch nicht ausreichend, um abschließende Aussagen zu treffen.

Spezialisierte therapeutische Chatbots ließen sich laut Eichenberg besonders sinnvoll als Überbrückung einer Wartezeit oder als Ergänzung zur klassischen Therapie nutzen. »Sie können das Selbstmanagement unterstützen, als Trainingsfeld – etwa für Rollenspiele – dienen oder ein wertvoller Echtzeitsupport in akuten Belastungssituationen sein.«

Wo liegen Grenzen?

»Die Bots sind kein Ersatz für Psychotherapie«, stellt Eichenberg klar. Vor allem, weil es ihnen an Intersubjektivität fehle, also der gegenseitigen Reaktion, Irritation und Begrenzung, die bei klassischen Therapien zwischen Patient und Therapeut entstehe.

»Da der Nutzer für ein technisches System keine persönliche Bedeutung hat, fehlt die für korrigierende emotionale Erfahrungen essenzielle Validierung durch ein menschliches Gegenüber«, so Eichenberg. Auch seien Chatbots nicht in der Lage, differenzierte Diagnostik zu machen oder komplexe Störungen adäquat zu behandeln.

Gibt es auch Risiken, wenn sich Menschen an KI-Chatbots wenden?

Fehlantworten sind eines der größten und bekanntesten Risiken von Chatbots. »Chatbots sind nicht immer gut darin, die Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen. Insbesondere wenn man an Suizidalität oder Risikoverhalten wie das Ausreißen vom Elternhaus oder Drogenkonsum denkt«, so Hilbert.

Außerdem haben Bots die Eigenschaft, ihre Nutzer tendenziell zu bestätigen. Das berge vor allem bei Menschen mit wahnhaften Gedanken das Risiko, dass sich das wahnhafte Erleben früher und stärker herausbilde. »Während bei einer klassischen Psychotherapie das Ziel sein muss, dass die Patienten lernen, gut selbst mit ihren Schwierigkeiten zurechtzukommen, scheinen Chatbots das zurzeit noch nicht gut zu können«, so Hilbert.

KI neigt hier häufig zum Belehren, während professionelle Therapeutinnen und Therapeuten eher darauf hinarbeiten, dass Patientinnen und Patienten eigene Lösungen finden.

Christiane Eichenberg weist zudem auf die Gefahr einer Überbenutzung oder sogar emotionalen Abhängigkeit hin. Daneben kann auch eine Scheinsicherheit entstehen, in der sich Nutzerinnen und Nutzer wiegen, wenn sie meinen, durch einen Bot ausreichend versorgt zu sein: »Hier besteht das Risiko, dass ich meine Probleme verschleppe, statt reale Hilfe in Anspruch zu nehmen«, so die Professorin. Nicht zuletzt seien Datenschutzprobleme ein potenzielles Risiko.

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