Kinder fühlen sich manchmal verantwortlich, wenn ein Elternteil psychisch erkrankt ist. Offene Kommunikation und schnelles Gegensteuern sind daher sehr wichtig. / © Getty Images/lisegagne
Gerade bei schweren und lang andauernden psychischen Erkrankungen kann der betroffene Elternteil mitunter keine so gute Mutter oder kein so guter Vater sein, wie er oder sie möchte – und wie das Kind es bräuchte. Die Folgen für Kinder können erheblich sein. Aber es gibt Möglichkeiten, diese Kinder und ihre Familien zu stärken. Experten ordnen ein.
Professor Michael Kölch, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter an der Universitätsmedizin Rostock, fasst es kurz zusammen: »Jede.« Aber: Ob Depression, Schizophrenie, Angst- oder Suchterkrankung: »Es kommt auf die Ausprägung an. Also darauf, wie stark und wie lange Eltern in ihren Beziehungskompetenzen eingeschränkt sind.«
Bei einer langjährigen, schweren Suchterkrankung oder einer ausgeprägten chronischen Angststörung kann die Belastung für Kinder entsprechend größer sein als bei einer milden, zeitlich begrenzten depressiven Episode. Entscheidend ist jedoch immer die konkrete Situation der Familie.
Psychische Erkrankungen unterscheiden sich stark, und jedes Kind reagiert je nach Persönlichkeit individuell, wenn Eltern betroffen sind – »typische« Auswirkungen gibt es deshalb nicht. »Häufig wachsen Kinder mit einem psychisch kranken Elternteil isolierter auf, weil vieles so anders ist als bei anderen«, sagt Kölch. Der Grund: Scham und Stigmatisierung, insbesondere bei Suchterkrankungen.
Mitunter entwickeln Kinder auch Ängste – etwa um das betroffene Elternteil, vor der Zukunft, um das Familienleben und manchmal sogar vor dem betroffenen Elternteil, so Sabine Wagenblass, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft »Kinder psychisch erkrankter Eltern« und Professorin an der Hochschule Bremen für Soziale Arbeit.
»Viele Kinder haben aber auch Angst, weil sie sich fragen: Kann ich das auch kriegen?«, so die Professorin. Und tatsächlich haben sie ein höheres Risiko, selbst eine psychische Störung zu bekommen als Kinder von Eltern, die keine seelische Erkrankung haben.
Nicht zuletzt kann die Entwicklung der Kinder beeinträchtigt werden, insbesondere wenn die Eltern sehr junger Kinder von einer psychischen Störung betroffen sind, wie Jörg Backes sagt: »Gerade das Alter zwischen null und drei Jahren ist eine sehr vulnerable Phase, in der die Kinder besonders auf ihre Bezugspersonen angewiesen sind«, so der Referatsleiter Nationales Zentrum Frühe Hilfen im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Eine psychische Erkrankung könne dazu führen, dass betroffene Elternteile nicht adäquat auf die Bedürfnisse ihres Kindes reagieren können.