Brunnenkresse liebt es nass. Auf der Fensterbank kann sie ganzjährig angebaut werden, am besten an einem halbschattigen Ort bei 15 bis 20 °C. / © Shutterstock/Fecundap stock
Brunnenkresse gehört zu den ältesten bekannten Nutz- und Heilpflanzen Europas. Schon die Römer schätzten sie als stärkendes Lebensmittel, und im Mittelalter galt sie als bewährtes Mittel gegen Frühjahrsmüdigkeit und Blutarmut. Eine schöne Anekdote stammt aus England: Dort wurden Schulkinder früher regelmäßig mit frischer Brunnenkresse versorgt, weil man beobachtet hatte, dass sie sich damit besser konzentrieren konnten – lange bevor man den Einfluss von Mikronährstoffen auf die geistige Leistungsfähigkeit verstand.
Noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Brunnenkresse auf Wochenmärkten oft in kleinen Bündeln verkauft und galt als »natürliches Tonikum« – besonders im Frühjahr, wenn frische Vitamine rar waren. Passend dazu liegt ihre Hauptsaison bis heute im Frühjahr und Frühsommer. Mit der Industrialisierung geriet die Pflanze zunehmend in Vergessenheit. Heute erlebt sie ein Comeback – als regionales, nachhaltiges und nährstoffreiches Lebensmittel.
Brunnenkresse (Nasturtium officinale) gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie wächst bevorzugt in sauberen, fließenden Gewässern wie Bächen und Quellen, weshalb sie auch als Wasser- oder Bachkresse bekannt ist. Ihre sattgrünen, rundlichen Blätter und die kleinen weißen Blüten sind charakteristisch. Die Pflanze liebt kühles, sauerstoffreiches Wasser und gilt daher als Indikator für gute Wasserqualität. Ihr Geschmack ist angenehm scharf und leicht pfeffrig – ein Hinweis auf ihre wertvollen Senföle.
Brunnenkresse wird heute nur noch in wenigen Regionen unter kontrollierten Bedingungen angebaut, da sie besonders sauberes, fließendes Wasser benötigt. Neben traditionellen Anbaugebieten etwa in England oder Frankreich gibt es auch in Deutschland kleinere, meist regionale Kulturen.
Brunnenkresse wird oft mit Gartenkresse verwechselt, ist jedoch deutlich aromatischer und wächst – anders als diese – in fließendem Wasser. Gartenkresse hingegen wird klassisch auf der Fensterbank gezogen und schmeckt milder.
Auch die Kapuzinerkresse gehört zu den scharf schmeckenden Pflanzen, ist botanisch jedoch nicht mit der Brunnenkresse verwandt. Sie gehört zur Familie der Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae) und ist vor allem als Zierpflanze bekannt. Gleichzeitig ist sie essbar: Sowohl Blätter als auch die leuchtenden Blüten verleihen Salaten eine würzige, leicht scharfe Note. Naturheilkundlich werden Kapuzinerkresse und ihre Senföle traditionell zur Unterstützung der Atemwege und bei Harnwegsinfekten eingesetzt.
Brunnenkresse zählt zu den nährstoffreichsten heimischen Blattgemüsen und zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Nährstoffdichte aus: Sie liefert rund 40 bis 70 mg Vitamin C pro 100 g und gehört damit zu den sehr Vitamin-C-reichen heimischen Blattgemüsen. Darüber hinaus enthält das Wildkraut Betacarotin als Vorstufe von Vitamin A für Haut und Schleimhäute sowie relevante Mengen an Vitamin K, das für Blutgerinnung und Knochengesundheit essenziell ist. Ein wichtiger Hinweis für die Beratung: Patientinnen und Patienten, die orale Vitamin-K-Antagonisten zur Antikoagulation einnehmen, sollten auf eine möglichst gleichmäßige Vitamin-K-Zufuhr über grünes Blattgemüse achten. Ein völliger Verzicht ist in der Regel nicht erforderlich.
Ergänzt wird das Mikronährstoffprofil durch Mineralstoffe wie Calcium, Kalium und Eisen sowie durch antioxidativ wirksame Pflanzenstoffe. Von besonderem pharmakologischem Interesse sind die enthaltenen Senfölglykoside (Glucosinolate), die beim Zerkleinern enzymatisch zu Isothiocyanaten umgewandelt werden. Diese wirken antibakteriell und entzündungshemmend und können körpereigene Entgiftungsprozesse unterstützen. Sie aktivieren Enzyme, die Schadstoffe besser wasserlöslich machen und ausscheiden helfen. Zudem werden antioxidative und zellprotektive Effekte diskutiert, die langfristig zur Prävention chronischer Erkrankungen beitragen könnten.
In einer viel zitierten CDC-Studie erreichte Brunnenkresse die höchste Punktzahl hinsichtlich der Nährstoffdichte unter 47 untersuchten Obst- und Gemüsesorten. Die häufig zitierte Einordnung als »gesündestes Gemüse der Welt« geht auf eine Auswertung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC aus dem Jahr 2014 zurück (Defining Powerhouse Fruits and Vegetables: A Nutrient Density Approach). Tatsächlich wurde Brunnenkresse dort nicht als »gesündestes Lebensmittel«, sondern als das Gemüse mit der höchsten Nährstoffdichte (Score 100 von 100) bewertet, gefolgt von Chinakohl und Mangold. Wichtig für die Beratung ist die Einordnung: Auch wenn Brunnenkresse in solchen Rankings Spitzenwerte erzielt, ersetzt sie nicht eine insgesamt ausgewogene Ernährung. Ihr gesundheitlicher Nutzen entfaltet sich im Kontext einer abwechslungsreichen, pflanzenbetonten Kost.
Aus naturheilkundlicher Sicht wird Brunnenkresse traditionell zur Unterstützung von Verdauung, Stoffwechsel und körpereigener Abwehr eingesetzt. Die enthaltenen Senföle fördern die Speichel- und Magensaftsekretion und können so die Verdauung unterstützen – was sich auch bei funktionellen Verdauungsbeschwerden positiv bemerkbar machen kann.
Sekundäre Pflanzenstoffe wie Senföle und Antioxidantien stehen zudem im Zusammenhang mit dem Stoffwechselgeschehen und können im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung auch bei metabolischen Erkrankungen eine unterstützende Rolle spielen. Darüber hinaus eignet sich Brunnenkresse insbesondere für Personen mit erhöhtem Bedarf an Mikronährstoffen sowie bei Infektanfälligkeit.