Legionellen werden in der Regel über Aerosole übertragen, die zum Beispiel beim Duschen eingeatmet werden. / © Adobe Stock/torwaiphoto
Zwei Menschen aus einem Seniorenwohnhaus in Berlin-Tegel sind infolge eines Legionellen-Befalls gestorben. Der Befall war aufgefallen, weil fünf Mieter ins Krankenhaus kamen. Bislang ist nicht klar, ob die Krankenhausaufenthalte und Todesursachen im direkten Zusammenhang mit den Legionellen stehen, wie die landeseigene Wohnungsgesellschaft Berlinovo mitteilt.
Was sind Legionellen, wie steckt man sich an und wer ist besonders gefährdet? Einige Fragen und Antworten im Überblick.
Legionellen sind weit verbreitete Bakterien, die ein natürlicher Bestandteil von Gewässern sind, wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) informiert. Für den Menschen ist vor allem relevant, dass sie in technischen Wassersystemen wie Trinkwasserinstallationen und Kläranlagen vorkommen.
Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser (Aerosole) übertragen, etwa beim Duschen, in Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne. Beim Trinken von erregerhaltigem Wasser besteht laut BIÖG in der Regel keine Ansteckungsgefahr, da die Legionellen im Magen durch die Magensäure abgetötet werden. In seltenen Fällen stecken Menschen sich an, wenn kontaminiertes Wasser beim Verschlucken versehentlich in die Luftröhre gelangt.
Nach Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) tritt eine Infektion mit Legionellen, eine sogenannte Legionellose, vor allem im Frühling und Sommer auf, da Legionellen sich in wärmerem Wasser schneller vermehren. Ideale Wachstumsbedingungen gibt es bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Begünstigt wird die Vermehrung außerdem, wenn das Wasser länger stand, zum Beispiel nach dem Urlaub, in selten genutzten Trinkwasserinstallationen oder in Whirlpools.
Von Mensch zu Mensch werden Legionellen in der Regel nicht übertragen. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) ist nur ein Fall bekannt, in dem eine direkte Übertragung zwischen Menschen stattfand.
Erkrankungen durch Legionellen äußern sich entweder als sogenannte Legionärskrankheit oder als Pontiac-Fieber. Die Legionärskrankheit ist laut RKI eine schwere Form der Lungenentzündung, die sich klinisch nicht von anderen Formen der Lungenentzündung unterscheidet. Außerdem können Verwirrtheit, Bauchschmerzen und Durchfall vorkommen.
Das Pontiac-Fieber ist ein akuter Infekt mit Fieber. Meistens treten laut RKI grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schmerzen im Brustkorb und trockener Husten auf.
Deutschlandweit wurden dem RKI dieses Jahr bislang 977 Fälle gemeldet. In den drei Jahren zuvor waren es über das gesamte Jahr jeweils rund 2200 Fälle.
Sterbefälle gibt es jedes Jahr. In Berlin lag die Zahl der Todesfälle in den vergangenen Jahren im einstelligen Bereich, wie eine Sprecherin des Lageso mitteilte. 2025 waren es zwei, 2024 drei und 2023 zwei.
In Deutschland starben den Angaben einer RKI-Sprecherin zufolge dieses Jahr 45 Menschen an einer Legionellose. In den vergangenen drei Jahren gab es demnach jährlich etwas mehr als 100 Todesfälle. 2025 waren es beispielsweise 118. Seit 2015 ist die Zahl der Todesfälle, mit Ausnahme eines Einbruchs im Pandemie-Jahr 2020 und eines leichten Rückgangs 2024, kontinuierlich gestiegen. Betroffen sind vor allem Menschen ab 60 Jahren.
Im Schnitt sterben an der Legionärskrankheit zwischen 5 und 9 Prozent der Infizierten, wie das RKI informiert. Bei Menschen, die sich im Krankenhaus infiziert haben, ist das Risiko höher. Dort sterben etwa 13 Prozent. Todesfälle im Zusammenhang mit dem Pontiac-Fieber sind nicht bekannt.
Wasserleitungen sollten regelmäßig genutzt und Kaltwasserleitungen möglichst wärmeisoliert werden, rät das BIÖG. In einem Haus mit zentraler Wassererwärmung und zentralem Warmwasserspeicher sollte die Reglertemperatur am Trinkwassererwärmer auf mindestens 60 Grad eingestellt sein. Die Wassertemperaturen im Leitungssystem sollten an keiner Stelle unter 55 Grad liegen, so das Institut.
In Mietshäusern und öffentlichen Gebäuden werden laut BIÖG regelmäßig Wasserproben untersucht. Wird eine bestimmte Konzentration von Legionellen nachgewiesen, muss das Gesundheitsamt informiert werden.