| Juliane Brüggen |
| 06.05.2026 12:00 Uhr |
Wie gehen die Chirurgen also an die Behandlung einer komplexen Wunde heran? »Im klinischen Alltag, in der plastisch-chirurgischen Welt, ist das Debridement, also das Entfernen von abgestorbenem Gewebe, der Weg zum Erfolg«, erklärte Langer. Dies wird ergänzt durch häufige Verbandswechsel – »in Symbiose« mit antiseptischen Wundprodukten.
Langer: »Im modernen Management von anspruchsvollen Biofilm-besiedelten Wunden kommen beispielsweise hypochlorige Säure-Spüllösungen und auch eine antiseptische Abdeckung etwa mit PVP-Iod oder Octenidin-Gelen zum Einsatz.« Auch Polihexanid nannte er als typischen Wirkstoff. Wichtig sei die antiseptische Performance, nicht Farbe, Geruch oder Kosten. Es gelte eine Re-Etablierung des Biofilms mit allen Mitteln zu vermeiden. »Der Biofilm ist der Feind, der mit konsequenter Umsetzung dieser Protokolle aus dem Wundareal unserer Patientinnen und Patienten entfernt wird.«
Ist ein primärer Verschluss der Wunde nicht möglich, kommen Haut- und Gewebetransplantate zum Einsatz – aus dem »Ersatzteillager« des Menschen, das Gewebe wird einer anderen Körperstelle entnommen. »Mein Auftrag ist: Loch verschließen, Biofilm erledigen, die Ausheilung möglich machen.«
Langer stellte den Fall einer Sternumosteomyelitis nach einem herzchirurgischen Eingriff vor. Dabei handelt es sich um eine schwerwiegende Entzündung des Brustbeins. Das »Loch im Thorax« konnte erfolgreich mit einem Gewebetransplantat verschlossen werden. Während der OP stünde zunächst das Débridement des Sternums und der Weichteile im Fokus, erklärte der Experte, eine systemische Antibiose werde beendet. Dann folge die Spülung der Kavität mit hypochloriger Säure-Lösung. Vor und im OP kämen neben antiseptischen Lösungen auch Gele mit Octenidin und PVP-Iod zum Einsatz.
Nach dem Débridement und Biofilm-Eroding folgte im vorgestellten Fall die Defektdeckung mit einer Rückenmuskellappenplastik. »Und dieses Gewebetransplantat ist mein ›Baby‹ als Operateur«, betonte Langer. Entsprechend strikt müsse eine Besiedlung mit Keimen verhindert werden. Dazu werde das eingenähte Transplantat zunächst einer Vakuumtherapie (»Negative Pressure Wound Therapy«) unterzogen und dann ein standardisiertes Wund- und Verbandregime etabliert. Es sei von größter Bedeutung, dass »dieses chirurgische Projekt«, das sowohl für den Patienten als auch das OP-Team hohen Aufwand und Stress bedeute, erfolgreich verlaufe und der Patient schnell nach Hause entlassen werden könne.