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Pharmazeutische Betreuung
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Mehr Diabetes, mehr Beratungsbedarf

Lieferschwierigkeiten, die Marktrücknahmen diverser Insuline, Anwendungsfehler von Inkretin-Analoga und anderen neuen Arzneistoffen wie etwa dem »Wochen-Insulin«: Menschen mit Diabetes benötigen derzeit eine besonders intensive Beratung in der Apotheke.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 24.04.2025  08:30 Uhr

Insulin einmal pro Woche

Potenzial für Anwendungsfehler habe laut der Apothekerin auch das relativ neu verfügbare Insulin icodec (Awiqli ®), welches nur noch einmal wöchentlich als subkutane Injektion in den Oberschenkel, Oberarm oder die Bauchdecke appliziert werden muss. »Die einmal wöchentliche Anwendung birgt die Gefahr des Vergessens«, prophezeite die Diabetikerin. Sie rät dann zur Drei-Tage-Regel. Will heißen: »Hat der Patient seinen montäglichen Spritztag vergessen, kann er bis Mittwoch nachapplizieren und fährt am kommenden Montag wieder mit der gewohnten Dosis fort. Erinnert er sich jedoch erst am Samstag an seine wöchentliche Insulindosis, spritzt er dann. Der Samstag wird zum neuen Spritztag.«

Auch die zu injizierenden Einheiten zu berechnen, erfordere intensive Schulung. »Schließlich ist es das erste Insulin U 700, also ein Insulin mit 700 Einheiten pro Milliliter. Bislang gibt es nur U 100, U 200 oder U 300. Auch neu: Ein Dosierschritt sind 10 Einheiten.«

Bei insulinnaiven Diabetikern wird eine wöchentliche Anfangsdosis von 70 Einheiten empfohlen. Anschließend sollte die Dosis einmal wöchentlich individuell angepasst werden. Diabetikern, die von ein- oder zweimal täglich verabreichtem Basalinsulin auf Insulin icodec umsteigen, wird empfohlen, die erste Insulin-icodec-Gabe am Tag nach der letzten verabreichten Dosis ihres alten Basalinsulins zu injizieren. Die empfohlene Dosis Awiqli entspricht der täglichen Basalinsulin-Gesamtdosis multipliziert mit 7, gerundet auf die nächsten 10 Einheiten. »Für Patienten mit Typ-1-Diabetes wird bei der Umstellung von einem Basalinsulin auf Awiqli bei der ersten Injektion unbedingt eine Aufsättigungsdosis von 50 Prozent empfohlen, um schneller in den Steady State zu kommen.« Die sich dadurch ergebenden sehr hohen Einheiten könnten die Patienten erschrecken – »verständlich, wenn man es gewohnt war, 25 Einheiten zu spritzen, und jetzt auf 270 Einheiten gehen soll«.

Was hält die Expertin von dem ultralang wirksamen Insulin icodec? »Typ-1-Diabetiker sollten nur damit behandelt werden, wenn ein eindeutiger Nutzen von der einmal wöchentlichen Dosierung zu erwarten ist. Das könnte etwa für Personen im Pflegeheim der Fall sein. Da das Wochen-Insulin nur in Kombination mit Bolusinsulin funktioniert und deshalb häufig flexibel Anpassungen vorgenommen werden müssen, könnten aktive Erwachsene damit nicht variabel reagieren«, äußerste sie sich zurückhaltend über den Stellenwert für Typ-1-Diabetiker.

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