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Strukturiertes Screening mit Hindernissen
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Neue Regelungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

Anfang des Jahres hat sich beim Screening auf Gebärmutterhalskrebs einiges geändert. So werden Frauen ab 35 neben der jährlichen gynäkologischen Untersuchung alle drei Jahre zu einem Test auf humane Papillomviren (HPV) eingeladen, der mit dem üblichen Pap-Abstrich kombiniert wird. Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) befürchtet Kapazitätsengpässe bei der Abklärung kritischer Befunde, die unter Umständen die Behandlung hinauszögern könnten.
AutorKontaktBarbara Erbe
Datum 28.02.2020  10:00 Uhr

Unzumutbare Wartezeiten?

Deshalb bezweifelt der BVF, dass die künftig erforderlichen Kolposkopien zeitnah durchgeführt werden können. BVF-Präsident Dr. Christian Albring bemängelte  in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass ein flächendeckender Zugang zu besagter Kolposkopie nicht gewährleistet sei. »Es gibt Bundesländer, in denen nur ein bis zwei Ärzte abklärungskolposkopisch tätig sind beziehungsweise die entsprechende Qualifikation gemäß der neuen Qualitätssicherungsvereinbarung Abklärungskolposkopie erwerben konnten.«

Derzeit gebe es in Deutschland zu wenige Frauenärzte, die diese Untersuchungen anbieten könnten. »Wartezeiten, die schnell über viele Monate anwachsen können, bis hin zu einem völligen Zusammenbruch des Systems, sind bereits jetzt abzusehen.« Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) geht indes davon aus, »dass mit dem Anlaufen des neuen Früherkennungsprogramms auch Gynäkologen, die die neue Leistung bislang nicht abrechnen können, bei ihrer KV eine Genehmigung beantragen werden«, erklärte deren Sprecher Dr. Roland Stahl auf Anfrage von PTA-Forum. Zudem arbeiteten Ärzte auch jetzt schon mit Zytologielaboren und Ärzten, die Abklärungskolposkopien durchführen, zusammen.

Darüber hinaus kritisiert der BVF, dass es für die vorgeschriebene elektronische Dokumentation der Untersuchungsergebnisse noch keine hinreichend zuverlässige Praxis-Software gebe. Diese Dokumentation sei aber Voraussetzung für die wissenschaftliche Evaluierung und auch wichtig, um nach einigen Jahren überhaupt beurteilen zu können, ob das neue Programm tatsächlich eine Verbesserung in der Krebsfrüherkennung bringe.

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