| Caroline Wendt |
| 24.04.2026 16:00 Uhr |
Doch auch bei konsequenter Basispflege kann es zu akuten Neurodermitis-Schüben kommen. In der Behandlung von Kindern sollen dann gemäß der S3‑Leitlinie zur atopischen Dermatitis vor allem schwache (zum Beispiel Hydrocortison) bis mittelstarke topische Glucocorticoide (zum Beispiel Prednicarbat oder Triamcinolon) eingesetzt werden, angepasst an Alter, Lokalisation und Schweregrad der Erkrankung. Eine zu lange oder zu niedrig dosierte Behandlung gilt als häufiger Grund für Therapieversagen. »In 40 Jahren Praxis habe ich gelernt, dass hier die Devise klotzen statt kleckern hilfreich ist«, erklärt Fölster-Holst. Gemeint ist: Lieber für wenige Tage ein höherpotentes topisches Glucocorticoid einsetzen, anstatt mit einem schwach wirksamen Präparat zu beginnen und die Entzündung nur unzureichend zu dämpfen.
Als steroidfreie Alternative stehen topische Calcineurin‑Inhibitoren zur Verfügung. Das Immunsuppressivum Pimecrolimus (1-prozentige Creme) ist in der EU ab einem Alter von drei Monaten zugelassen, die 0,03-prozentige Tacrolimus-Salbe ab zwei Jahren. Sie werden insbesondere für empfindliche Hautareale wie Gesicht, Hals, Genitalregion und Körperfalten empfohlen, wo der Einsatz von Corticoiden nur eingeschränkt erfolgen sollte. Sie eignen sich auch für die längerfristige Anwendung.
Neben der Akuttherapie hat sich zudem eine proaktive Behandlung bewährt. Hintergrund ist, dass auch in erscheinungsfreien Phasen unterschwellige Entzündungsprozesse in der Haut fortbestehen. Konkret bedeutet das: Über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen werden die zuvor betroffenen Hautareale zweimal wöchentlich mit einem niedrigpotenten Corticosteroid oder einem Calcineurin‑Inhibitor behandelt, begleitend zur täglichen Basispflege. Im weiteren Verlauf kann die Anwendung auf einmal wöchentlich reduziert werden. Ziel ist es, neue Schübe hinauszuzögern und die krankheitsfreien Intervalle zu verlängern.
Die Einführung der Biologika in die Therapie der atopischen Dermatitis war für Fölster-Holst eine kleine Revolution. »Ich habe früher so viele Kinder mit schwerer Neurodermitis gesehen, die wirklich schlimm dran waren«, erinnert sie sich. Diese Kinder hatten nicht nur einen ausgeprägten Leidensdruck, sondern auch ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen – etwa durch Staphylococcus aureus (S. aureus) oder Herpes-simplex-Viren –, die im Extremfall zu einer Sepsis führen können.
Seit 2023 steht mit Dupilumab erstmals ein Biologikum zur Langzeittherapie von Kindern mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis bereits ab einem Alter von sechs Monaten zur Verfügung. Der monoklonale Antikörper blockiert die Signalwege von Interleukin‑4 und Interleukin‑13, zwei zentrale Treiber der Typ‑2‑Entzündung. »Das Einzige, das ein wenig blöd ist: Das Arzneimittel muss gespritzt werden«, räumt Fölster‑Holst ein. Die subkutane Injektion sei jedoch nur alle zwei Wochen notwendig und mit der Anwendung eines Insulinpens vergleichbar. »Nach einer Schulung in der Praxis können die Eltern das auch selbst zu Hause durchführen.«
Andere Biologika wie Lebrikizumab oder Tralokinumab sind derzeit erst ab zwölf Jahren zugelassen. Gleiches gilt für die Januskinasehemmer (JAK‑Inhibitoren) Abrocitinib und Upadacitinib. Baricitinib kann hingegen bereits ab zwei Jahren eingesetzt werden. Der Vorteil der JAK‑Inhibitoren: Sie werden oral eingenommen, dafür aber täglich. Zudem muss bei ihnen im Gegensatz zu Biologika ein Monitoring zur Untersuchung des Blutes erfolgen.