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Pflege, Prävention und Praxis
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Neurodermitis beim Baby

Neurodermitis beginnt häufig früh: Schon im Säuglingsalter zeigen sich bei vielen betroffenen Kindern erste Hautveränderungen. Eine konsequente Basispflege und eine individuell angepasste Therapie können den Krankheitsverlauf entscheidend beeinflussen. Worauf es dabei ankommt, erläutert Professor Dr. Regina Fölster‑Holst im Gespräch mit PTA Forum.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 24.04.2026  16:00 Uhr

Familiäres Risiko

Berichten Eltern davon, dass ihr Baby unter trockener Haut leidet, lohne sich zunächst ein Blick in die Familienanamnese, so Fölster-Holst. »Wenn in der Familie atopische Erkrankungen wie Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien vorkommen, ist das Risiko für ein Kind deutlich erhöht, selbst eine Neurodermitis zu entwickeln«, erklärte die Expertin. So liegt das Erkrankungsrisiko für ein Kind mit einem betroffenen Elternteil bei etwa 20 bis 40 Prozent; sind beide Eltern erkrankt, kann es auf bis zu 80 Prozent steigen.

Bei Säuglingen manifestiert sich eine Neurodermitis in der Regel ab dem dritten bis vierten Lebensmonat. Typisch sind entzündliche, teils stark nässende Ekzeme, die vor allem im Gesicht – insbesondere an den Wangen –, am Hals sowie an den Streckseiten von Armen und Beinen auftreten.

Der sogenannte Milchschorf – gelblich verkrustete Ekzeme auf der Kopfhaut – könne ein Frühsymptom sein, sei für sich genommen aber kein eindeutiges Indiz für eine Neurodermitis, schränkte Fölster-Holst ein. »Man muss sich immer das ganze Kind anschauen«, betonte sie. Ein wichtiger diagnostischer Hinweis könne sein, dass der Windelbereich weitgehend ausgespart bleibt. Die Erklärung dafür liege im feuchten Milieu unter der Windel. »Diese Feuchtigkeit braucht die Haut«, hob die Expertin hervor.

Cremen, cremen, cremen

Wenn Feuchtigkeit der Haut hilft – was bedeutet das therapeutisch? Die Auswahl an Pflegeprodukten ist groß, umso wichtiger ist es, für jede Situation das passende Emolliens zu finden. Trockene Haut braucht Pflege. »Doch für Patienten mit Neurodermitis ist das tägliche Eincremen jedoch eine Substitution, also eine Therapie«, betonte Fölster-Holst. »Glycerin ist ein ganz toller Inhaltsstoff«, betonte die Dermatologin. Als Feuchthaltefaktor bindet es Wasser in der Hornschicht und hilft so, die Hautbarriere zu stabilisieren »Und es hat praktisch keine Nebenwirkungen – damit können bereits Neugeborene ab dem ersten Lebenstag behandelt werden.«

Ein vergleichbarer feuchtigkeitsspendender Effekt lasse sich grundsätzlich auch mit Harnstoff (Urea) erzielen. Bei der noch sehr empfindlichen Haut von Säuglingen und Kleinkindern kann Urea jedoch den sogenannten Stinging‑Effekt auslösen: Die Haut brennt. Entsprechend ist der Einsatz von Urea erst für Kinder ab einem Alter von etwa drei Jahren sinnvoll. Zudem soll Urea nicht auf akuter oder subakuter Haut angewendet werden, denn auch hier kann es sonst empfindlich brennen.

Die Haut von Neurodermitis‑Patienten benötigt sowohl Lipide als auch Feuchtigkeit. Ob jedoch eine Öl‑in‑Wasser‑ (O/W‑) oder eine Wasser‑in‑Öl‑Emulsion (W/O‑) zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen Hautzustand ab. Befindet sich die Erkrankung in einer akuten Phase mit nässenden Ekzemen, rät die Dermatologin zu Öl‑in‑Wasser‑Emulsionen. »Dann darf da kein Fett drauf«, hob sie hervor. Geeignet sind etwa O/W‑Emulsionen mit hohem Wasseranteil. Ist die Haut hingegen trocken und schuppig, seien lipidreiche Wasser‑in‑Öl‑Emulsionen besser geeignet.

Auch äußere Faktoren spielen eine Rolle. So beeinflussen Wetter und Jahreszeit die Wahl der Basispflege. »Im Winter ist die Haut eher trocken und braucht Pflegeprodukte mit einem höheren Fettanteil«, erklärte Fölster‑Holst. Im Sommer hingegen solle der Wasseranteil überwiegen.

Eine bewährte Option bei starkem Juckreiz, nässenden oder krustösen Ekzemen sowie ausgeprägtem Milchschorf sind zudem sogenannte Wet-Wraps (feuchte Umschläge). Dabei wird zunächst eine pflegendes Externum auf die betroffenen Hautareale aufgetragen. Anschließend werden diese mit einem feuchten Verband – etwa mit in Wasser oder Schwarztee getränkten Mullbinden – abgedeckt und darüber ein trockener Verband angelegt. Die feuchten Umschläge kühlen die Haut, lindern den Juckreiz und verstärken die Wirkung der aufgetragenen Pflege- oder Wirkstoffe.

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