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Update Reiseimpfungen
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Ohne unerwünschtes Reisegepäck wieder zurück

Wer in die Ferne reisen will, sollte sich rechtzeitig um seinen Impfstatus kümmern. Abhängig vom Aufenthaltsort fallen neben dem Basisschutz spezielle Reiseimpfungen an. Welche Neuerungen haben sich ergeben? Wir haben die aktualisierten Empfehlungen der STIKO und der Deutschen Gesellschaft für Tropen- und Reisemedizin zusammengefasst.
AutorKontaktUlrich Enzel
Datum 31.08.2026  16:00 Uhr

Die Infektionsfälle sind so hoch wie nie: Immer mehr Reisende bringen das von der Asiatischen Tigermücke übertragene Chikungunya-Fieber mit heim nach Deutschland; in den vergangenen fünf Jahren aus 38 verschiedenen Ländern, darunter so beliebte Reiseziele wie Indien, Thailand, die Malediven, die Seychellen und Sri Lanka.

Chikungunya-Fieber ist eine Tropenkrankheit – auch die meisten in Europa registrierten Fälle betreffen Reisende, die sich in den Tropen oder Subtropen infiziert haben. Das Virus ist besonders in Afrika, auf dem indischen Subkontinent und in Südostasien verbreitet, kommt mittlerweile aber auch in den Amerikas und vereinzelt in Europa vor. Typisch für Chikungunya sind plötzliches hohes Fieber und starke Gelenkschmerzen. Zu den weiteren Hauptsymptomen zählen Muskel- und Kopfschmerzen, Hautausschlag, Müdigkeit, Schwäche und Übelkeit.

In die Prävention der Infektionskrankheit ist Bewegung gekommen; erst vor Kurzem kamen zwei Impfstoffe auf den Markt. So wurde im Juni 2024 der Lebendimpfstoff Ixchiq für Jugendliche und Erwachsene ab 12 bis 59 Jahren in der EU zugelassen. Im Februar folgte die EU-Zulassung eines zweiten Chikungunya-Impfstoffs, Vimkunya, der als rekombinante Vakzine zu den Totimpfstoffen zählt. Er kann ebenfalls an Personen ab zwölf Jahren verimpft werden, hat allerdings keine Altersbegrenzung.

Chikungunya

Bei der Impfung gegen Chikungunya handelt es sich nicht um eine Standardimpfung, sondern sie ist nur für Personen mit hohem Infektionsrisiko geeignet. Das ist die wesentliche Aussage der aktualisierten Empfehlungen zu Reiseimpfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), Chikungunya betreffend. Im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 27/2026 empfehlen die Impfexperten aus Berlin eine Impfung gegen Chikungunya für Personen ab zwölf Jahren, die in ein Gebiet reisen, für das ein aktuelles Chikungunya-Ausbruchsgeschehen bekannt ist oder die einen längeren Aufenthalt (vier Wochen und mehr) oder wiederholte Kurzzeitaufenthalte in einem Endemiegebiet planen, wenn zusätzlich ein erhöhtes Risiko für eine Chronifizierung oder einen schweren Verlauf besteht. Darunter fallen beispielsweise Personen ab 60 Jahren oder solche mit schweren internistischen Grunderkrankungen. Merke: Aufgrund der Altersbegrenzung ist dann der Totimpfstoff zu verwenden.

Prinzipiell gilt die STIKO-Empfehlung für beide Impfstoffe, wobei Ixchiq als Lebendimpfstoff bei Personen mit Immundefizienz sowie in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert ist. Da für diesen aber – im Gegensatz zum Totimpfstoff – Antikörperpersistenz-Daten bis vier Jahre nach der Impfung in Höhe von 95,2 Prozent nachgewiesen werden konnten, sollte dieser Impfstoff bei Reisenden mit häufigen Aufenthalten in Chikungunya-Risiko-Gebieten, Spontan- oder Langzeitreisenden und solchen, die beruflich in endemischen Gebieten unterwegs sind, priorisiert werden. Für den Totimpfstoff wurden Immunitätsdaten ab dem achten Tag postvakzinal bestätigt. Er empfiehlt sich damit priorisiert für kurzfristig Reisende und solche, die nur einmalige, nicht länger dauernde Reisen in Risikogebiete planen.

Tollwut

Was die Impfung bezüglich Tollwut anbelangt, gibt es an sich keine Änderungen. Aber die STIKO hat die Praxisrelevanz ihrer Empfehlung durch einige konkrete Punkte deutlich verbessert. So ist es nun möglich, bei einem Versorgungsengpass die beiden inaktivierten Impfstoffe (Rabipur®, Verorab®) innerhalb einer Impfserie zu wechseln. Als ideal empfiehlt die STIKO jedoch weiterhin, denselben Impfstoff zur Vervollständigung der begonnenen Serie einzusetzen.

Auch die Indikationen zur Impfung wurden sehr hilfreich präzisiert: Für Reisende, die Länder mit einem hohen Risiko für Hundetollwut aufsuchen, gilt die Impfempfehlung nun unabhängig von der Reisedauer. Für Zielländer mit einem moderaten Risiko empfiehlt die STIKO eine Impfung, wenn die Reisedauer länger als vier Wochen geplant ist oder bei wiederholten Kurzreisen. Und eigens als Risiko aufgeführt werden »VFR-Reisen«, also »Visiting Friends and Family«. Bei dieser kommunikativen Reiseform kann das Expositionsrisiko deutlich erhöht sein. Deshalb sollte die Indikation zu einer präexpositionellen Impfung (PrEP) großzügig gestellt werden.

In die Beratung sollten neben der Tatsache, dass heute – gegenüber früheren Zeiten – nebenwirkungsarme, hochwirksame Impfstoffe für diese PrEP zur Verfügung stehen, auch die möglichen Folgen einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) ohne vorausgehende PrEP einfließen. Zum einen steht das hierfür erforderliche Rabies-Immunglobulin nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung. Zum anderen können die dann erforderlich werdenden langen Verabreichungszeiträume und nicht zuletzt kaum vermeidbarer psychologischer Stress die konkreten Reisepläne zum Beispiel bezüglich der Reiseroute beeinträchtigen oder gar zum Reiseabbruch Anlass geben. Eine große Hilfe kann bei der Beratung das RKI-Schema zur Entscheidungshilfe für die Tollwut-Postexpositionsprophylaxe (PEP) bieten, das ebenfalls ins aktuelle Epidemiologische Bulletin aufgenommen worden ist.

Typhus

Auch für die Impfung gegen den Typhus-Erreger führt die aktuelle Empfehlung keine relevanten Änderungen auf. Empfohlen wird die Immunisierung Reisenden in Endemiegebiete mit Aufenthalt unter schlechten hygienischen Bedingungen. Auch hier zeigen die VFR-Aufenthalte ein erhöhtes Risiko. Die Impfexperten legen die Vakzinierung auch Kurzreisenden nahe, vor allem bei Reisen auf den indischen Subkontinent.

Zwar ist Salmonella typhi weltweit verbreitet. Dennoch tritt hierzulande Typhus nur selten bei Reiserückkehrern auf. In 2023 sind lediglich 79 Fälle diagnostiziert, und zwar vor allem in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen – fast alle waren nicht geimpft. Eingeschleppt wurden die Salmonellen vor allem aus Indien, Pakistan, Mexiko und Bangladesch.

Zugelassen sind zwei monovalente Impfstoffe (Grundimmunisierung plus Auffrischimpfungen): der orale Lebendimpfstoff Typhoral® L in Kapselform sowie der Injektionsimpfstoff Typhim Vi® aus dem Vi-Kapselpolysaccharid von Salmonella Typhi.

Cholera

Im Gegensatz zu dieser gezielten VFR-Empfehlung zur Typhus-Impfung bleiben STIKO und DTG bei der Impfung gegen Cholera unverändert bei ihrer bisherigen Empfehlung. Diese wird weiterhin als indikationsbezogene Maßnahme für spezielle Risikosituationen eingestuft. Die Beratung sollte individuell anhand von Reiseziel, Exposition und Risikoprofil bewertet werden.

Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass in anderen Ländern wie Kanada, Neuseeland, Singapur, aber auch der Schweiz der orale Totimpfstoff gegen Cholera (Dukoral®) auch gegen enterotoxische Escherichia coli (ETEC) empfohlen wird. Denn dieser Impfstoff besitzt einen dualen Wirkmechanismus: Zum einen enthält er Antikörper gegen Cholera-Bakterien, zum anderen solche gegen Cholera-Toxin und damit aufgrund einer Kreuzreaktivität gegen hitzelabiles ETEC-Toxin. Die STIKO dagegen stuft in ihren aktuellen Empfehlungen diese Indikation als nicht ausreichend begründet ein.

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