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Antiallergika 
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OTC-Switch für Kombi-Nasensprays

Mehr Auswahl für die Selbstbehandlung von Heuschnupfen: Seit Kurzem steht die Kombination aus Azelastin und Fluticason zur nasalen Anwendung zur Verfügung. Wie das pharmazeutische Personal beraten kann, damit die jüngsten OTC-Switches besser wirken.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 20.03.2026  12:00 Uhr

Das einst verschreibungspflichtige Dymista® Nasenspray (und Generika) heißt nun in der OTC-Variante Nasallegra®, Snup® Allerg, Duoallerg® oder Lorano® Allergiespray. Erst nach mehreren Anläufen hat sich der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht im Juni 2024 dafür ausgesprochen, die antiallergische Nasenspray-Kombination Azelastin plus Fluticasonpropionat aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Dabei ist Fluticason in Monopräparaten bereits seit Herbst 2016 ohne Rezept erhältlich, genauso wie auch Azelastin. Nun haben verschiedene Hersteller ihre Produkte entsprechend angepasst beziehungsweise sind neu auf den Markt gekommen.

Die Fixkombination aus Steroid und Antihistaminikum ist geeignet für Patienten ab 18 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer saisonaler allergischer Rhinitis, bei denen eine Monotherapie mit einem intranasalen Antihistaminikum oder einem Glucocorticoid nicht ausreichend wirksam ist. Erwachsene sollen je einen Sprühstoß in jedes Nasenloch zweimal täglich geben. Vor jedem Gebrauch ist die Flasche gut zu schütteln. Dazu soll diese nach oben und nach unten gekippt und erst danach die Schutzkappe abgenommen werden.

Die neuen OTC-Nasensprays vereinen nun die sofort einsetzende Wirkung des Antihistaminikums Azelastin mit dem starken antiinflammatorischen Effekt von Fluticason, ein dreifach fluoriertes Corticosteroid. Klinische Dateien zeigen, dass die nasalen Beschwerden durch die Kombinationstherapie deutlich wirksamer gelindert werden als durch die jeweilige Monotherapie. So ist eine um 39 Prozent bessere Symptomreduktion dokumentiert.

Leitliniengerechte Therapie

Das sehen auch die Experten der ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) so. In ihrem Leitlinien-Update 2025 wird die Präferenz für die Kombination gegenüber intranasalen Mono-Corticoiden deutlich. »Die Kombination macht die Therapie anwendungsfreundlicher. Hier kann das pharmazeutische Personal leitliniengerecht beraten. Denn hat man wegen der erst nach Stunden bis Tagen einsetzenden Wirkung des Steroids zur Überbrückung in den ersten Tagen das Sprühen eines nasalen Antihistaminikums empfohlen, damit der Patient einen Effekt hat und nicht glaubt, es wirke nicht, gibt es nun beides in einem Präparat«, erklärte Professor Dr. Torsten Zuberbier, Direktor des Instituts für Allergieforschung an der Berliner Charité, bei einer Presseveranstaltung des Unternehmens Opella. Die europäische ARIA-Leitlinie gibt im Übrigen unter den Kombinationsarzneimitteln der Azelastin-Fluticason-Kombination auch den Vorzug vor der Fixkombination aus Olopatadin und Mometason (Ryaltris®, Rx).

In der Tat: Nasale Steroide wirken nicht sofort, ihre Wirkung - vor allem des Beclometasons - baut sich erst nach drei bis fünf Tagen regelmäßiger Anwendung auf. Beim Fluticason dauert es abhängig vom Salz (Furoat oder Propionat) 8 bis 12 Stunden und beim Mometason 12 bis 48 Stunden. Dem Allergologen zufolge sind Fluticason und Mometason die wirksameren und nebenwirkungsärmeren Alternativen in der Selbstmedikation. »Durch die nasale Gabe werden bei kontinuierlicher Anwendung hohe Konzentrationen in der Schleimhaut bei minimalem Risiko systemischer Nebenwirkungen erreicht. Während die systemische Bioverfügbarkeit von Beclometason Studien zufolge bei etwa 40 Prozent liegt, gelangen bei Fluticason und Mometason weniger als 2 Prozent in den Blutkreislauf.« Weiterhin verschreibungspflichtig bleiben Nasensprays mit Budesonid oder Flunisolid.

Entzündung dauerhaft dimmen

Das Plus der topischen Steroide: »Neben der symptomatischen Hilfe dämmen sie das entzündliche Geschehen ein; die Konzentration von Entzündungsmediatoren wird nachhaltig verringert. Das trägt dem entzündlichen Charakter der Allergie Rechnung«, weiß der Allergologe.

»Die Betroffenen klagen zwar primär über eine verstopfte oder laufende Nase oder tränende Augen, aber oft sind sie auch chronisch erschöpft und schlafen schlecht. Dann muss die Entzündung ausreichend heruntergefahren werden. Schlaf von nicht erholsamer Qualität hat langfristig Auswirkungen; die Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist unter nicht adäquat behandelten Allergikern erhöht. Ist die Nasenatmung blockiert, sinkt die nächtliche Sauerstoffsättigung und das Herz muss mehr Leistung erbringen.«

Während die längerfristige Einnahme oder Applikation eines Antihistaminikums laut Zuberbier nicht kritisch zu sehen ist, ist sie es »beim nasalen Steroid insofern, als dass es die Nase austrocknen und Nasenbluten hervorrufen kann«. Für ihn gehört deshalb als Anwendungshinweis bei der Abgabe dazu, den Sprühstoß Richtung Augenwinkel und nicht Richtung Nasenscheidewand zu applizieren. Dadurch ließen sich Septumschäden und Nasenbluten deutlich verringern. »Auch ein guter Tipp, der wenig weitergegeben wird, ist die vorherige Nasenspülung etwa mit Salzlösungen. Das spült die Pollen weg und befeuchtet die Schleimhaut.«

Was ist vom vorsorglichen Sprühen des Steroids vor der Pollensaison zu halten? »Der Patient ist gut beraten, wenn er bereits einige Zeit vor dem zu erwartenden Pollenflug beginnt, sein (Kombi-)Nasenspray zu sprühen. Dann kommt er erst gar nicht in die Phase der Inflammation hinein. Durch die synergistische Wirkung von Steroid und Antihistaminikum bekommt man im Übrigen auch die Augensymptomatik besser unter Kontrolle«, berichtete der Experte von seinen Erfahrungen.

Gemäß aktueller Leitlinienempfehlungen kann die topische Therapie von Antihistaminika am Auge die Behandlungsmaßnahmen ergänzen. Seit etwa einem Jahr stehen in Deutschland Olopatadin-haltige Augentropfen (wie Optilegra®, Alltrevo®) für die Selbstmedikation zur Verfügung. Zuberbier stellte eine Studie vor, nach der Olopatadin im direkten Vergleich mit Azelastin bei okkulärer Anwendung schneller und effektiver wirkte.

Vorbeugung erklären

Die Erfahrung zeigt, dass viele Patienten ihre Antiallergika als Ad-hoc-Therapie verstehen und sie nur dann anwenden, wenn sie sich von ihren Beschwerden besonders belästigt fühlen. »Aus medizinischer Sicht ist dies jedoch nicht sinnvoll, vor allem bei vorhersehbarer Allergenexposition.« Zuberbier spricht sich dafür aus, länger andauernde Symptomphasen durchgängig zu therapieren und rechtzeitig damit zu beginnen.

In der Apotheke bietet sich die Gelegenheit, den präventiven Ansatz zu vermitteln und Vorbeugung und Therapie nicht getrennt zu betrachten. »Die frühzeitige Empfehlung geeigneter, gut verträglicher Arzneimittel kann dazu beitragen, Beschwerden von Beginn an besser zu kontrollieren und den weiteren Therapieverlauf positiv zu beeinflussen.« Nur so nutze man das Wirkvermögen von Antiallergika quasi voll aus. Sind mehrere Organsysteme betroffen, bleibt das systemische Antihistaminikum die Therapie der ersten Wahl.

 

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