| Isabel Weinert |
| 22.07.2026 16:00 Uhr |
Nicht sichtbar und ewig da – PFAS sind eine stumme Gefahr für Mensch und Umwelt. / © Adobe Stock/willyam
PFAS können in Medikamenten die chemische Stabilität erhöhen, die Aufnahme des Wirkstoffs in die Blutbahn verbessern und den Abbau im Körper verlangsamen. In Deutschland sind etwa 70 Wirkstoffe mit einer PFAS-Struktur auf dem Markt. Dabei handelt es sich oft um solche, die gegen psychische Erkrankungen zum Einsatz kommen, wie Antidepressiva und hier zum Beispiel Fluoxetin. Außerdem zählen dazu einige Antibiotika, etwa Ciprofloxacin, oder HIV-Medikamente sowie einzelne Cholesterin- und Blutdrucksenker.
Ein Gutachten der Universität Freiburg im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) zeigte jüngst, dass für viele in Medikamenten eingesetzte PFAS-Wirkstoffe Alternativen existieren. Künftig könnten Mediziner mit diesem Hintergrundwissen bevorzugt PFAS-freie Medikamente verordnen, immer vorausgesetzt, das sei auch therapeutisch sinnvoll, schreibt die Universität Freiburg in einer Pressemitteilung.
Die Untersuchung eines Forschungsteams um Professor Dr. Michael Müller, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Universität Freiburg, zeige, dass für 87 Prozent der identifizierten Human- und 65 Prozent der Tierarzneimittel mit PFAS-Strukturen bereits Wirkstoffe ohne PFAS-Eigenschaften für dieselben Anwendungen existieren.
Der Präsident des Umweltbundesamtes, Dr. Dirk Messner, resümiert: »Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass Umweltschutz und medizinische Versorgung keine Gegensätze sein müssen. Die Pharmaindustrie besitzt hier bereits im Entwicklungsprozess von Arzneimitteln einen enormen Hebel, um den Eintrag von langlebigen Chemikalien wie PFAS in unsere Gewässer und Böden in Zukunft deutlich zu reduzieren.«