| Sven Siebenand |
| 22.07.2026 12:00 Uhr |
Mit Zuranolon gibt es nun erstmals in der EU ein Arzneimittel mit der Indikation postpartale Depression. / © Getty Images/nicoletaionescu
Die postpartale Depression (PPD) zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft. Zu den Symptomen gehören depressive Verstimmungen, Angstzustände, eine beeinträchtigte Bindung zum Neugeborenen, Funktionsstörungen im Alltag sowie Schuld- und Wertlosigkeitsgefühle.
Zuranolon ist zugelassen bei erwachsenen Frauen zur PPD-Behandlung nach der Entbindung. Der neue Wirkstoff ist ein positiver allosterischer Modulator des GABA-A-Rezeptors. Das GABA-System ist der wichtigste hemmende Signalweg des zentralen Nervensystems und trägt zur Regulierung der Gehirnfunktion bei. Zuranolon entfaltet möglicherweise eine antidepressive Wirkung, indem es die GABAerge Hemmung verstärkt.
Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg Zuranolon, also zwei 25 mg-Kapseln. Die Patientin nimmt diese einmal täglich abends über 14 Tage ein. Der Wirkstoff soll mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen werden. Zuranolon kann allein oder als Ergänzung zu einer oralen Antidepressiva-Therapie angewendet werden. Die Dosis kann auf 40 mg reduziert werden, wenn die Patientin 50 mg pro Tag nicht verträgt.
Die empfohlene Dosis bei Patientinnen mit mäßiger oder schwerer Nierenfunktionsstörung beträgt 30 mg einmal täglich. Ebenso ist es bei Frauen mit schwerer Leberfunktionsstörung. Bei gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A-Inhibitoren beträgt die empfohlene Dosis während der 14-tägigen Behandlungsdauer 30 mg einmal täglich oral. Die gleichzeitige Anwendung von Zuranolon mit CYP3A-Induktoren muss vermieden werden.
Kontraindiziert ist der neue Wirkstoff bei Schwangeren. Das Stillen sollen Frauen während der Behandlung mit Zuranolon unterbrechen, es sei denn, der Nutzen des Stillens überwiegt nach Einschätzung des Arztes die möglichen Risiken für das Kind. Sehr häufige Nebenwirkungen sind Somnolenz, Schwindel und Sedierung.