Der Kaffee am Morgen auf dem Balkon, der kleine Spaziergang am Nachmittag: Wiederkehrende Rituale schulen, auf die Umgebung zu achten – und Veränderungen wahrzunehmen. Welche Vögel sitzen heute im Baum? Wie schmeckt mir der Kaffee oder Tee heute? Dadurch entsteht eine Präsenz im Moment.
In vielen steckt der Glaubenssatz: Ich darf bloß nicht faul sein! Doch: »Nur wenn wir aufhören, ständig etwas erreichen zu wollen, kann Leichtigkeit überhaupt erst entstehen. Es geht nicht um ein Ziel oder Output«, sagt Kasper.
Die extreme Variante davon hat er sich für seinen eigenen Ruhestand vorgenommen: »Ich wollte lernen, einfach mal eine Weile in die Luft zu gucken.« Es geht also um ein zweckloses Dasein – für das es übrigens in den Niederlanden einen eigenen Begriff gibt: »niksen«.
Ob tanzen, stricken, schrauben, malen: Vergisst man bei einer Tätigkeit alles um sich herum und erst recht die Zeit, hat man einen Flow-Zustand erreicht. Auch der ist eng mit Leichtigkeit verbunden. »Ich konzentriere mich dann nämlich voll auf eine einzige Sache«, so Kasper.
Was für eine Sache das genau sein kann? Das lässt sich mit einem Blick in die eigene Kindheit herausfinden. Worin ist man damals stundenlang versunken? Diese Aktivität kann man sich nun – auch nach einer jahrzehntelangen Pause – wieder vornehmen.
»Wenn sich Menschen so richtig leicht fühlen – egal in welchem Alter – fangen sie wieder an, zu hüpfen«, beobachtet Bertram Kasper. Wie ein Reh über eine Wiese zu springen, ist mit Arthrose und anderen Erkrankungen vielleicht nicht mehr möglich: Aber schwingende, tänzelnde Bewegungen und zu einem Lächeln hochgezogene Mundwinkel sind eine Option.
Bertram Kasper gibt daher den Impuls, mit dem eigenen Körper zu arbeiten – und ihn bewusst zu bewegen und aufzurichten. »Tanzen und Co. können Erinnerungen aktivieren an Momente voller Leichtigkeit in unserem Leben.«