| Verena Schmidt |
| 16.09.2026 10:00 Uhr |
Schachbasiertes kognitives Training kann die geistige Leistungsfähigkeit steigern und bei Patienten in psychotherapeutischer Behandlung offenbar auch die Lebensqualität verbessern. / © Getty Images/SimpleImages
Forschende am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim untersuchen laut einer Pressemitteilung des Instituts bereits seit mehreren Jahren, ob ein schachbasiertes kognitives Training psychotherapeutische und rehabilitative Verfahren sinnvoll ergänzen kann. Zwei aktuelle Studien hätten hierbei Erfolge gezeigt, so die Forschenden.
In einer Untersuchung wurde zusätzlich zur regulären Behandlung ein strukturiertes Trainingsprogramm mit Schachaufgaben in der Rehabilitation von Menschen mit Alkoholabhängigkeit eingesetzt. Die Teilnehmenden konnten ihre Aufmerksamkeit besser aufrechterhalten als die Kontrollgruppe. Gleichzeitig berichteten sie nach Abschluss der Intervention über eine höhere Lebensqualität. Daneben förderte das gemeinsame Training auch den Austausch und die soziale Interaktion während der Rehabilitation.
Ähnliche Effekte zeigten sich auch beim Einsatz des Trainings im Rahmen einer psychiatrischen Behandlung im Jugendalter. Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren nahmen zusätzlich zu ihrer regulären Therapie für sechs Wochen an dem schachbasierten Training teil. Die Probanden zeigten anschließend eine verbesserte Arbeitsgedächtnisleistung und berichteten über ein höheres psychisches Wohlbefinden als die Vergleichsgruppe.
Bemerkenswert sei, dass sich ähnliche Effekte in zwei sehr unterschiedlichen Patientengruppen beobachten ließen, schreiben die Wissenschaftler. In beiden Fällen verbesserten sich neben einzelnen kognitiven Funktionen vor allem Aspekte der Lebensqualität. Gerade dies sei für Menschen mit psychischen Erkrankungen ein zentrales Therapieziel, denn es sei wichtig dafür, wie gut sie ihren Alltag bewältigen, soziale Beziehungen gestalten oder wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Forschenden wollen nun in größeren Studien klären, welche Patientengruppen besonders von dem Training profitieren und wie dieses künftig in Behandlungskonzepte integriert werden könnte.
Anders als beim klassischen Schachspiel stehen im therapeutischen Kontext nicht Wettkampf oder Strategie im Vordergrund. Schachkenntnisse sind daher nicht erforderlich. Die Teilnehmenden trainieren vor allem Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Planung und Problemlösefähigkeit, indem sie sich beispielsweise Figuren und deren Positionen auf dem Schachbrett merken und rekonstruieren.