Leuchtend schöne Blüten, aber auch die inneren Werte der Kapuzinerkresse können überzeugen. / © Getty Images/Karin Hartman
Die Kapuzinerkresse stammt ursprünglich aus der Andenregion Südamerikas. Dort wurde sie bereits von der indigenen Bevölkerung als Nahrungs- und Heilpflanze genutzt. Überliefert sind unter anderem Anwendungen der frischen Blätter bei Wunden sowie bei Husten und Beschwerden der Atemwege. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts gelangte die Pflanze nach Europa.
Als der schwedische Naturforscher und Arzt Carl von Linné (1707–1778) ihr im 18. Jahrhundert den botanischen Namen Tropaeolum gab, soll ihn ihr Aussehen an ein antikes Siegeszeichen erinnert haben: Die runden Blätter wirkten wie Schilde, die orange-roten Blüten wie blutbefleckte Helme an einem römischen Tropaeum. Der deutsche Name verweist dagegen auf den langen Blütensporn, der an die Kapuze einer Mönchskutte erinnert.
Die Große Kapuzinerkresse, Tropaeolum majus L., historisch auch Indianerkresse genannt, verbreitete sich in Europa zunächst als auffällige Zier- und Nutzpflanze. Später fand sie Eingang in die Volksmedizin. Mit der Brunnenkresse, Nasturtium officinale, ist sie trotz ihres ähnlich pikanten Geschmacks nicht näher verwandt.
Arzneilich verwendet wird das oberirdische Kraut; kulinarisch nutzt man vor allem Blätter, Blüten und unreife Samenstände. Ein charakteristischer Leitinhaltsstoff ist Glucotropaeolin, auch Benzylglucosinolat genannt. Dieses Senfölglykosid ist zunächst wenig reaktiv. Erst wenn Pflanzenzellen durch Kauen, Schneiden oder Zerreiben verletzt werden, trifft es auf das Enzym Myrosinase. Dabei entsteht vor allem Benzylisothiocyanat (BITC). Dieses flüchtige Senföl sorgt für den pfeffrig-scharfen Geschmack und schützt die Pflanze vor Fraßfeinden und Mikroorganismen. Die getrennten Speicher von Glucosinolat und Enzym werden übrigens auch bildhaft als »Senfölbombe« bezeichnet.
Die Kapuzinerkresse ist nicht nur wegen ihrer Senfölglykoside interessant. Blätter und Blüten liefern außerdem Vitamin C, Carotinoide wie Lutein und Beta-Carotin sowie Flavonoide, Anthocyane, phenolische Säuren und verschiedene Mineralstoffe. Welche Mengen enthalten sind, hängt unter anderem von Sorte, Blütenfarbe, Standort und Erntezeitpunkt ab. In Untersuchungen tragen vor allem die phenolischen Verbindungen und Farbstoffe zur antioxidativen Aktivität der Pflanze bei.
Aus ernährungsphysiologischer und naturheilkundlicher Sicht ist nicht nur ein einzelner Wirkstoff interessant, sondern das Zusammenspiel verschiedener Nähr- und bioaktiver Pflanzenstoffe. Regelmäßig in kleinen Mengen verzehrt, kann Kapuzinerkresse eine abwechslungsreiche, pflanzenreiche Ernährung bereichern. Ein besonderer Synergieeffekt oder eine konkrete vorbeugende Wirkung dieser Stoffkombination ist beim Menschen bislang jedoch nicht ausreichend belegt.
In einer kleinen, randomisierten kontrollierten Crossover-Studie mit 30 gesunden Frauen jedenfalls führte der 14-tägige Verzehr von täglich 3 g Kapuzinerkresse unter anderem zu einem Anstieg des humanen Beta-Defensins 1 (hBD-1), eines Markers der angeborenen körpereigenen Abwehr. Eine Wirksamkeit oder ein allgemeines Heilversprechen für den regelmäßigen Verzehr lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Nach ihrer Einführung in Europa wurde die Kapuzinerkresse mit der Zeit auch volksmedizinisch bei Erkältungsbeschwerden, Husten, Harnwegsproblemen und kleineren Hautverletzungen eingesetzt. Heute stehen vor allem ihre Senfölglykoside im Fokus. Beim Verzehr frischer Blätter und Blüten werden diese bioaktiven Pflanzenstoffe aufgenommen. Die Menge schwankt allerdings deutlich, sodass die Verwendung in der Ernährung zwar die Gesundheit unterstützen kann – eine therapeutische Dosierung ist damit aber nicht zu erreichen.
In der Phytotherapie wird das Kapuzinerkressenkraut häufig mit Meerrettichwurzel kombiniert. Ein bekanntes Beispiel ist das Präparat Angocin® Anti-Infekt N, das zur Besserung der Beschwerden bei akuten Entzündungen der Bronchien, Nebenhöhlen und ableitenden Harnwege eingesetzt wird. Wirksamkeit und Verträglichkeit sind durch klinische Untersuchungen belegt.
Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen, Oberbauchdruck oder Durchfall treten häufig als Nebenwirkungen einer entsprechenden Therapie auf. Bei akuten Magen- und Darmgeschwüren sowie akuten Nierenentzündungen sollte Angocin daher auch nicht angewendet werden. Auch bei der Verwendung von Kapuzinerkresse in der Küche sollte man bei ausgeprägten Magenbeschwerden vorsichtig sein.
Wichtiger Hinweis für die Beratung: Kapuzinerkressenkraut enthält Vitamin K. Bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon und Warfarin kann deren Wirkung herabgesetzt sein. Die Packungsbeilage weist darauf hin, dass Patienten den Quick- beziehungsweise INR-Wert engmaschiger kontrollieren und gegebenenfalls mit dem behandelnden Arzt sprechen sollten.
Kapuzinerkresse lässt sich im Garten oder Balkonkasten leicht aus Samen ziehen und bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit durchlässigem Boden. Auf sehr nährstoffreichem Boden bildet sie häufig viele Blätter, aber wenig Blüten. Geerntet werden junge, gesunde Blätter, frisch geöffnete Blüten und grüne Samenstände – am besten an einem trockenen Vormittag.
Wichtig ist ein Standort ohne Pflanzenschutzmittel, Straßenstaub oder Verunreinigungen durch Tiere. Pflanzen aus Gartencentern sind nicht automatisch als Lebensmittel kultiviert. Geeignet sind selbst ausgesäte Pflanzen oder ausdrücklich als essbar angebotene Ware. Blätter und Blüten sollten kurz vor der Verwendung geerntet, kontrolliert, vorsichtig gewaschen und trocken getupft werden.
Häufig sitzen kleine schwarze Blattläuse, meist Schwarze Bohnenläuse, an jungen Trieben, Blütenstielen und Blattunterseiten. Ein Befall lässt sich durch regelmäßige Kontrollen, das Entfernen stark befallener Triebspitzen und vorsichtiges Abspritzen mit Wasser eindämmen. Natürliche Gegenspieler wie Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen helfen ebenfalls. Ein naturnahes Umfeld mit blütenreichen Pflanzen sowie geeigneten Nist- und Rückzugsplätzen fördert solche nützlichen Gartenbewohner. Welke, stark befallene oder verfärbte Pflanzenteile gehören nicht in die Küche.
Junge Blätter schmecken frisch-grün und anschließend deutlich kresse- bis senfartig. Sie passen fein geschnitten in Kräuterquark, Salate, Eierspeisen oder auf ein Butterbrot. Die Blüten sind milder und eignen sich als essbare Dekoration. Unreife grüne Samenstände kann man in Essigsud einlegen und ähnlich wie Kapern verwenden. Daher wird die Kapuzinerkresse gelegentlich auch Kapernblume genannt.
Damit sich Senföl bildet, sollten Blätter und Blüten zerkleinert oder gründlich gekaut werden. Für kalte Speisen gibt man sie am besten erst unmittelbar vor dem Servieren hinzu. Große Mengen sind weder geschmacklich noch für empfindliche Mägen sinnvoll: Kapuzinerkresse ist eher ein Würzkraut als Salatbasis.

Würzig-scharfes Pesto / © Getty Images/Louno_M
Für ein kleines Glas zunächst 40 g junge Kapuzinerkresseblätter und acht bis zehn Blüten vorsichtig waschen, auf Blattläuse kontrollieren und gut trocken tupfen. Einige Blütenblätter für die Dekoration beiseitelegen. Anschließend die übrigen Blätter und Blüten mit 40 g leicht gerösteten Pinienkernen, 40 g fein geriebenem Parmesan, 1 bis 2 TL Zitronensaft und etwa 70 ml mildem Oliven- oder Rapsöl kurz pürieren.
Nach und nach weiteres Öl hinzufügen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist; insgesamt werden ungefähr 100 ml Öl benötigt. Das Pesto sparsam mit Salz abschmecken und mit den zurückgelegten Blütenblättern garnieren.
Das Pesto passt zu Pasta, Kartoffeln, geröstetem Brot oder als würziger Klecks zu Frischkäse. In ein sauberes Glas füllen, gut verschließen, im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von drei bis vier Tagen verbrauchen. Für eine längere Aufbewahrung lässt sich das Pesto portionsweise einfrieren.