Die häufig vorkommenden psychischen Komorbiditäten erklärte der renommierte Fibromyalgie-Experte so: »Wie bei jeder chronischen Schmerzerkrankung erschöpfen sich die Seele und der Körper bei der Suche nach den Ursachen und dem Umgang mit der Erkrankung. Das ist umso bedeutender bei Menschen, bei denen man keine haptische Diagnose stellen kann. Viele Mediziner stützen sich leider auf ein Symptom, denken nur in ›Schmerzschubladen‹ und erkennen nicht die erhebliche Krankheitslast aufseiten der Patienten. Diese ziehen dann von einem Arzt zum anderen und fühlen sich nicht ernst genommen. Keine Diagnose bedeutet keine Hilfe und kein Verständnis. Das Gefühl des Nichtverstandenwerdens befeuert gar die ohnehin häufig depressive Stimmungslage.«
Schmerz, Erschöpfung, Depressivität: Frauen leiden häufiger unter Fibromyalgie als Männer. Meist tritt die Erkrankung wischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. / © Adobe Stock/ StockMe
Eine wesentliche Aufgabe von Heilberuflern und damit auch des Apothekenteams sieht er darin, den Patienten Verständnis und Empathie entgegenzubringen und realistische Perspektiven zu vermitteln. »Die Patienten müssen verstehen, dass ihre Krankheit infolge noziplastischer Schmerzen anders funktioniert als etwa eine Arthrose oder Lungenentzündung und daher anders anzugehen ist. Die Veränderungen im schmerzperzeptiven System sind nicht in Gänze reparier-, aber positiv modulierbar.«
Auch wenn ein FMS nicht heilbar sei und meist lebenslang bestehe, gebe es zwei essenzielle Botschaften. »Das Syndrom verursacht trotz starker Schmerzen keine entzündlichen oder anderweitig schädlichen Veränderungen an Muskeln oder Knochen. Das nimmt schon mal viele unterschwellige Ängste. Und mit einer individuell angepassten Behandlung besteht die realistische Chance, den Schmerz zu lindern – es ist realistisch, durch integrierte Heilungsansätze die Lebensqualität zu erhöhen und die Funktionsfähigkeit im Alltag zu verbessern«, beschreibt der Schmerzmediziner seine langjährigen Erfahrungen.