| Barbara Döring |
| 28.07.2026 12:00 Uhr |
Trockene Haut oder ständiges Befeuchten der Mundwinkel kann zu Rissen und Entzündungen beitragen. / © Getty Images/Iuliia Burmistrova
Eingerissene Mundwinkel, auch Mundwinkelrhagaden oder umgangssprachlich »Mundeck« genannt, sind für Betroffene nicht nur kosmetisch äußerst störend, weil sie meist deutlich sichtbar sind. Oft verursachen sie auch, vor allem beim Essen, Sprechen oder Lachen, Schmerzen. Die Haut in diesem Bereich ist dann meist rau und schuppig und oft auch entzündet. Die Ursache lässt sich meist nicht ohne Weiteres benennen. Manchmal ist die Haut sehr trocken oder die Hautbarriere ist gestört, etwa bei Neurodermitis, sodass leichter Risse oder Verletzungen entstehen. Die offenen Stellen können sich zudem leicht infizieren, etwa mit Hefepilzen oder Bakterien. Vitamin- oder Mineralstoffmangel sowie schlechtsitzende Prothesen können ebenso dazu führen, dass es immer wieder zu Hautverletzungen an den empfindlichen Stellen im Mundwinkel kommt.
Ist trockene Haut die Ursache, empfehlen sich Salben mit Lipiden und Dexpanthenol (wie Bepanthen® Wund- und Heilsalbe, Cicaplast Lippen Intensiv). Auch ein Lippenbalsam mit Nachtkerzenöl kann die natürliche Schutzbarriere der Haut unterstützen (wie in Eucerin Acute Lip Balm). Manche Patienten sind versucht, mit der Zunge über die trockene Haut zu lecken, um sie feucht zu halten. Davon sollten PTA abraten, da sonst leicht Keime eindringen können. Besser ist es, die Mundwinkel trocken zu halten und hin und wieder mit einem sauberen Taschentuch abzutupfen. Über Nacht kann die Pflege mit einer zinkhaltigen Salbe hilfreich sein.
Treten die unangenehmen Risse immer wieder auf, ist zum Arztbesuch zu raten, um die Ursache herauszufinden. Ein Blutbild kann sinnvoll sein, wenn Verdacht auf einen Eisenmangel besteht. Bestätigt sich dieser, wird der Arzt ein Präparat zum Einnehmen oder eine Infusion verordnen. Wer immer wieder mit Mundwinkelrhagaden zu tun hat, sollte darauf achten, dass seine Ernährung nicht nur genug Eisen, sondern auch ausreichend B-Vitamine und Zink enthält, die zur Regeneration von Haut und Schleimhäuten beitragen. Ein Defizit schwächt die Hautbarriere und kann zu trockener, rissiger Haut beitragen.
Um eine mögliche mikrobielle Fehlbesiedelung der Haut zu reduzieren, kann eine antiseptische Behandlung mit einem Octenidin-Gel erfolgen (wie Octenisept® Wundgel). Ist eine bakterielle Infektion nachgewiesen, wird der Arzt beispielsweise eine antibiotische Creme mit Fusidinsäure verschreiben, die Patienten zwei- bis dreimal täglich anwenden sollten. Azol-Präparate wie Cremes oder Salben mit Miconazol (wie Infectosoor® Zinksalbe) wirken bei einer Infektion mit Hefepilzen. Treten flüssigkeitsgefüllte Bläschen im Bereich der Mundwinkel auf, liegt eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren nahe. Cremes mit einem Virostatikum wie Aciclovir (wie Zovirax Lippenherpescreme) lindern die Beschwerden und unterstützen den Heilungsverlauf. Zudem steht eine Kombination aus Aciclovir und Hydrocortison zur Verfügung, die die entzündliche Reaktion lindern kann. Werden entsprechende Präparate schon bei ersten Anzeichen eines Lippenherpes wie Kribbeln alle drei bis vier Stunden aufgetragen, lässt sich mitunter die Bläschenbildung vermeiden.
Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus können häufiger von Mundwinkelrhagaden betroffen sein. Eine optimale Therapie trägt dann dazu bei, entsprechende Begleiterscheinungen zu vermeiden. Für Personen mit Zahnersatz lohnt es sich zudem, beim Zahnarzt den Sitz der Prothese überprüfen zu lassen. Sitzt sie schlecht, kann der Speichelfluss erhöht sein, sodass die Haut in den Mundwinkeln häufig feucht ist und leichter einreißt. In jedem Fall ist bei Mundwinkelrhagaden auf sorgfältige Hygiene zu achten. Durch Berühren der Stellen oder Kratzen werden Erreger leicht in die Risse eingebracht oder auf andere Hautstellen übertragen. Beim Auftragen von Salben und Cremes sollten PTA Patienten darauf aufmerksam machen, zuvor und danach die Hände zu waschen.