Männer sind von Clusterkopfschmerz dreimal häufiger betroffen als Frauen. Bei Migräne ist es genau umgekehrt. / © Getty Images/Nes
»Als Neurologin und Schmerztherapeutin beschäftige ich mich schon gefühlte Ewigkeiten mit Kopfschmerzen«, berichtet Professorin Gudrun Goßrau, die das Kopfschmerzzentrum am Universitätsklinikum in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden leitet. In der Fachwelt unterscheide man zwischen primären und sekundären Kopfschmerzerkrankungen. Sekundär seien jene, bei denen der Schmerz Ausdruck einer anderen Erkrankung sei, etwa einer Hirnblutung.
Bei den primären sei der Kopfschmerz selbst die Erkrankung, erläutert die Ärztin. Am häufigsten seien Spannungskopfschmerzen und Migräne. »Der Clusterkopfschmerz ist seltener, schränkt den Patienten aber sehr ein, weil die Schmerzintensität extrem ist. Es gibt Untersuchungen, nach denen dieser Schmerz noch vor dem Schmerzempfinden bei einer Geburt oder der Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommt.« Während von Migräne etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen betroffen seien, liege die Prävalenz bei Clusterkopfschmerz deutlich darunter – bei 0,1 bis 0,2 Prozent.
Es gibt eine weitere Besonderheit. Männer sind von Clusterkopfschmerz dreimal häufiger betroffen als Frauen. Bei Migräne ist es genau umgekehrt. Manche Menschen leiden sogar unter beidem. Da Clusterkopfschmerzen eine seltene Erkrankung sind, dauert die spezifische Diagnose in der Regel länger, sagt Gudrun Goßrau. Deshalb gibt es seit einigen Jahren in Deutschland den »Kopfschmerztag«, um Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Menschen allgemein für Kopfschmerzerkrankungen zu sensibilisieren. Er wird jährlich am 5. September begangen.
»Es geht darum, das Bewusstsein zu schärfen«, betont die Neurologin. Clusterkopfschmerzen würden inzwischen viel häufiger diagnostiziert als früher, auch wenn der Wert von knapp 8000 Erkrankungen im Jahr 2023 in Sachsen noch nicht der Prävalenz entspricht. Goßrau bringt die Häufung der Diagnosen auch mit dem Umstand in Verbindung, dass Betroffene sich im Internet informieren und den Hausarzt so auf die richtige Spur bringen.
Was Menschen wie Laurin Eckert Kopfzerbrechen bereitet, ist eine heimtückische Erkrankung. Der 24-Jährige leidet an Clusterkopfschmerzen, der wohl schlimmsten Art des Kopfschmerzes. Für chronisch Erkrankte kann das zur Hölle werden und nicht selten zu schweren Depressionen führen. Bei Eckert tritt der Schmerz in Phasen auf – von Betroffenen wird er als brennend, bohrend oder reißend beschrieben. Stets ist nur eine Kopfseite betroffen. Einzelne Anfälle können mehrmals am Tag auftreten und bis zu drei Stunden dauern. Oft ziehen sich die Phasen über Wochen hin.
Wenn Eckert seine Schmerzen beschreibt, greift er auf einen Vergleich aus seiner Arbeitswelt als Mechatroniker zurück. »Es fühlt sich an, als wenn man mit sehr hohem Druck dickflüssiges Magma durch eine Leitung pumpt. Es beginnt langsam anzuschwellen und wird dann immer stärker. Das Auge tränt und die Nase läuft.« Bei ihm sei die rechte Kopfseite betroffen. Er versuche dann, trotzdem ruhig zu bleiben und dem Gefühl nicht nachzugeben, loszurennen zu wollen, zu stöhnen, zu schreien oder sich die Hand im Bett einzuklemmen.