| Caroline Wendt |
| 09.06.2026 08:00 Uhr |
Eine gute Mundhygiene kann – insbesondere bei Prothesenträgern – dazu beitragen, einem Mundsoor vorzubeugen. / © Getty Images/ajr_images
Candidosen sind Pilzerkrankungen, die durch verschiedene Arten der Gattung Candida ausgelöst werden, in Deutschland meist durch Candida albicans, das zur normalen mikrobiellen Flora des Menschen gehört und insbesondere auf Schleimhäuten vorkommt. Da es sich um fakultativ pathogene Erreger handelt, verursachen sie in der Regel keine Beschwerden. Erst wenn die Bedingungen für ihr Wachstum günstig sind und sie sich ungehindert vermehren können, kann sich eine orale Candidose entwickeln.
Bei einer akuten Candidose sind auf Zunge und Mundschleimhaut weiße, schwer abstreifbare, stippenförmige Beläge zu sehen. Bei stärkerem Befall können diese auch miteinander verschmelzen. Darunter ist die Schleimhaut gerötet und kann beim Abstreifen der Beläge leicht bluten. Die Veränderungen gehen häufig mit Juckreiz, Schmerzen und Schwellungen einher. Zudem berichten Patienten mitunter über Schluck- oder Geschmacksstörungen oder beschreiben ein pelziges Gefühl im Mund. Insgesamt können die Beschwerden so ausgeprägt sein, dass die Betroffenen nicht ausreichend essen oder trinken. Das kann insbesondere bei der jüngsten Risikogruppe – Säuglingen in den ersten Lebensmonaten – der Fall sein. In solchen Fällen spricht man von einer sogenannten Trinkschwäche.
Säuglinge sind aus mehreren Gründen besonders anfällig für eine orale Candidose: Zum einen ist ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift, zum anderen sind die Schleimhäute noch nicht ausreichend mit einer schützenden Mikroflora besiedelt. Dadurch hat der Hefepilz leichtes Spiel, sich zu vermehren. Säuglinge können sich bereits während der Geburt über die Vaginalschleimhaut der Mutter anstecken oder später durch direkten Mund-zu-Mund-Kontakt mit den Eltern. Aber auch über Gegenstände wie Löffel oder Schnuller kann der Erreger auf die empfindliche Schleimhaut der Kinder übertragen werden.
Doch nicht nur Kinder können von einer Pilzinfektion betroffen sein. Bei Erwachsenen trifft es häufig jene, die eine chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus, eine Krebserkrankung oder eine Immunschwäche (etwa HIV) haben. Auch verschiedene Arzneimittel können das Auftreten eines Mundsoors begünstigen.
Die in der Apotheke wohl bekannteste Wirkstoffgruppe mit dieser potenziellen Nebenwirkung sind inhalative Glucocorticoide (GC). Hier sollten PTA unbedingt auf die korrekte Anwendung hinweisen – eine gezielte Schulung im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung bietet sich an. Patienten, die ein inhalatives GC anwenden, sollten nach der Inhalation den Mund mit Wasser ausspülen. Auch etwas zu essen oder zu trinken kann helfen. Dadurch wird die Wirkstoffmenge im Mund- und Rachenraum reduziert; ein kleiner geschluckter Anteil ist dabei in der Regel unproblematisch. Bei anhaltenden Beschwerden kann bei Verwendung eines GC-haltigen Dosieraerosols ein Spacer sinnvoll sein, da dieser die Wirkstoffablagerung im Mund- und Rachenraum reduziert und so das Mundsoor-Risiko verringert.
Auch die Einnahme bestimmter Arzneimittel wie Antibiotika oder Anticholinergika kann die Entstehung eines Mundsoors begünstigen. Anticholinergika fördern dies vor allem durch ihre Nebenwirkung der Mundtrockenheit (Xerostomie), die ein günstiges Milieu für das Pilzwachstum schafft. Darüber hinaus kann auch eine Chemo- oder Strahlentherapie die Entwicklung einer oralen Candidose fördern.
Neben der akuten Form gibt es auch eine chronische Form der oralen Candidose. Dabei lassen sich die weißen Beläge nicht einfach abstreifen und gehen häufig mit Mundwinkelrhagaden und Schwellungen einher. Zu den Risikogruppen zählen insbesondere Träger von Zahnprothesen oder festsitzenden Zahnspangen.