| Verena Schmidt |
| 27.07.2026 08:00 Uhr |
Egal, ob Vorlagen für Retax-Einsprüche oder Flyer für die Reiseapotheke erstellen: KI-Tools können in der Apotheke bei verschiedenen Aufgaben unterstützen. / © Getty Images/Tom Werner
Das Thema KI ist nicht mehr wegzudenken: In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Bitkom Research aus dem vergangenen Jahr gaben bereits 45 Prozent von 1145 Befragten an, KI-Chatbots zu nutzen – und diese Zahl werde weiter steigen und die Bedeutung von KI im Alltag weiter zunehmen, prognostizierte Lehmann. »Es ändert sich in diesem Bereich sehr schnell sehr viel, aber die Grundlagen bleiben gleich.« Daher sei es wichtig, die Basics zu kennen, betonte der Experte.
»Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren«, zitierte Lehmann die Definition des Europäischen Parlaments. Wichtig sei hier der Begriff Imitieren, betonte er: »Die KI ist heute so eloquent, dass sie einem immer das Gefühl gibt, sie sei eine Person und wisse genau, was sie tut. Das trifft aber nicht immer zu.«
Wer KI-Tools nutzen will, muss sich unbedingt mit Datenschutz und Haftung beschäftigen. Für Apothekenmitarbeitende gelte, dass sie KI verantwortungsbewusst und ethisch einsetzen sollten, betonte der Experte. »Sachen, die man auch einfach googeln könnte, muss man nicht in das KI-Tool eingeben, da das sehr viel Energie verbraucht«, so der Apotheker.
Besonders mit personenbezogenen Daten sollte man verantwortungsvoll umgehen, das heißt, Daten über sich selbst oder die Firma sollten so wenig wie möglich preisgegeben werden; im Zweifel arbeitet man besser mit Platzhaltern. Personenbezogene Daten von Dritten dürfen keinesfalls in KI-Tools eingegeben werden. »Das A und O: KI-generierte Inhalte sollten immer fachlich überprüft und kritisch hinterfragt werden«, warnte der Referent. Er empfahl daher, KI nur in Bereichen einzusetzen, die man selbst überblicken könne und in denen man das Ergebnis kontrollieren könne.
Bei Fotos und Grafiken gilt: »KI-generierte Bilder müssen auch als solche gekennzeichnet werden. Wenn Sie allerdings KI-generierte Texte redaktionell bearbeiten – Sie prüfen alles und formulieren um –, müssen Sie nicht angeben, dass Sie KI als Quelle verwendet haben.«
Das größte Problem bei der Nutzung von KI-Tools sind Lehmann zufolge Halluzinationen, also Inhalte, die realistisch erscheinen und von der KI überzeugend vorgetragen werden, aber falsch sind. Lehmann riet auch dazu, von der KI angegebene Quellen zu kontrollieren: Es komme vor, dass sich Inhalte überhaupt nicht in den Quellen wiederfinden. Wichtig: »Die KI kann nicht unterscheiden zwischen Korrelation, also Dingen, die zusammenhängen, und Kausalität – wenn es also eine Begründung gibt, warum die Dinge zusammenhängen.« Lehmanns Tipp, wenn die KI »festgefahren« ist und immer wieder falsch antwortet: Einen neuen Chat aufmachen und noch einmal die gleiche Frage stellen, da dann eine neue Recherche startet.
Die Qualität der KI-Antwort auf eine Frage ist immer abhängig davon, wie genau der User gesagt hat, was er haben möchte. Experte Lehmann stellte verschiedene Schemata für erfolgreiches Prompting vor, an denen man sich diesbezüglich orientieren kann. Ein Beispiel ist das RICE-Modell (Role, Information, Context, Examples). Lehmann erläuterte beispielhaft: »Man teilt der KI eine Rolle zu, also etwa ›Du bist ein hilfreicher Assistent‹, anschließend gibt man alle nötigen Informationen ein, dazu einen Kontext: ›Wir befinden uns in der Apotheke‹. Wichtig ist auch, in welchem Rahmen die KI antworten soll und welche Zielgruppe es gibt. Eventuell kann man auch einige Beispiele nennen: ›Ich habe die Aufgabe schon einmal so gemacht, das war mir dabei wichtig und das kam dabei heraus.‹« Ergänzend könne man außerdem unter anderem noch angeben, welches Format die Antwort haben soll, ob der Stil eher locker oder formal sein soll und welches Ergebnis man auf keinen Fall haben möchte.
Bei komplexeren Aufgaben empfahl Lehmann ein schrittweises Vorgehen, etwa mit folgendem Prompt-Zusatz: »… lass uns diese Aufgabe Schritt für Schritt gemeinsam durchgehen und ich werde dir bei jedem Abschnitt sagen, welche Inhalte darin vorkommen sollen und welche Inhalte du dabei priorisieren sollst. Außerdem werde ich dir für jeden Abschnitt neue Informationen geben, die dir beim Erstellen des jeweiligen Abschnitts helfen werden.« Lehmann: »Sie haben bei diesem Vorgehen großen Einfluss auf die einzelnen Bestandteile und damit viel Kontrolle und können einzelne Teilaspekte noch anpassen.«
Zudem ging Lehmann im Seminar noch auf konkrete Beispiele für Einsatzmöglichkeiten in der Apotheke ein. Gut geeignet sei der Einsatz der KI unter anderem beim Erstellen von Vorlagen, etwa für Newsletter oder Serienbriefe. Auch bei Recherchen kann die KI unterstützen, hierfür eigne sich etwa ein universelles Large Language Model (LLM) wie zum Beispiel ChatGPT, Gemini, Claude oder Mistral oder die KI-gestützte Suchmaschine Perplexity AI. Diese kombiniert verschiedene LLMs und liefert quellengestützte Antworten. Zum Übersetzen von Informationen beziehungsweise zum Formulieren von Antworten eigneten sich neben den universellen LLM etwa auch der KI-gestützte Online-Übersetzungsdienst DeepL beziehungsweise der Schreibassistent DeepL Write. Teamsitzungen lassen sich mit Tools wie Tucan.ai oder Sally dokumentieren.
»Der Hauptgrund, warum Sie KI nutzen sollten, ist Bürokratie – hier kann die KI gut unterstützen«, so Lehmann. So kann man etwa ein Anschreiben für Retax-Einsprüche oder Mahnungen gut mit Platzhaltern vorformulieren und so bei Bedarf schneller reagieren. Ein weiteres Beispiel ist die Formulierung von Prozessbeschreibungen für das QM-Handbuch: »Das können Sie so prompten, dass die KI Sie selbstständig wie in einem Interview fragt und dann daraus den QM-Prozess schreibt«, gab Lehmann als Tipp.
Ein Prompt für ein Infoblatt zu Reiseimpfungen könnte etwa folgendermaßen aussehen: »Bitte erstelle eine Vorlage für aktuell empfohlene Reiseimpfungen, übersichtlich nach typischen Reisegebieten gestaffelt. Mit einem Platzhalter für mein eigenes Design.« Zusätzlich könne man die KI hier noch explizit auf die aktuellen STIKO-Empfehlungen hinweisen. Ähnlich könne man auch beispielsweise eine Vorlage für die Reiseapotheke erstellen sowie Material für Kampagnen, etwa für Mutter-Kind-Tage, und sich auch bei der Planung unterstützen lassen. Ebenso kann man Marketingmaterial wie Werbeflyer oder Angebote mit KI-Hilfe erstellen. »Gerade bei Sachen, die regelmäßig angepasst werden müssen, können Sie mit Vorlagen viel Zeit sparen.«
Ebenfalls hilfreich: ein Schulungskonzept zu Produktwissen, zum Beispiel für neue Produktlinien, mit KI-Hilfe erstellen. Etwa so: »Bitte erstelle ein Schulungskonzept und dazugehörige Karteikarten, um meine Kollegen für die neue Kosmetiklinie XY zu schulen. Nutze dafür die Produktinformationen von folgender Website: …«
Lehmanns Tipp: »Sprechen Sie beim nächsten Teammeeting über das Thema KI und suchen Sie sich gemeinsam ein erstes gemeinsames Thema aus, bei dem Sie KI verwenden möchten. Gehen Sie Schritt für Schritt vor!«
Bezüglich der Nutzung von KI-Tools sollte man sich Lehmann zufolge diese Fragen stellen:
Sein Fazit: »Verstehen Sie KI nicht als Ersatz, sondern als Teamassistenz, der Sie die Aufgaben geben können, für die Sie keine Zeit haben. Die KI schafft am Ende Freiräume für die menschliche Interaktion: die pharmazeutische Beratung, pharmazeutische Dienstleistungen oder Besprechungen mit Kolleginnen und Kollegen.«