Für Andreas Meyer-Lindenberg gehört dazu vor allem die Stärkung der Gesundheitskompetenz. »Die Deutschen wissen insgesamt wenig über Erkrankungen und wie man sie verhindern kann«, sagt er. Leider wüssten sie ganz besonders wenig über die Psyche. Wissensbasierte Präventionsangebote wie psychologische Erste-Hilfe-Kurse für Laien hält er deshalb für sehr sinnvoll. »Und dazu Schulstunden über die bessere Regulation von negativen Emotionen.«
Besonders für Jugendliche und junge Erwachsene wäre es wichtig, dass sie sich besser mit der psychischen Gesundheit auskennen und passende Hilfsangebote leicht finden und nutzen können, sagt auch RKI-Forscherin Cohrdes. »Es ist auch eine Frage der Medienkompetenz«, ergänzt sie. »Gerade in sozialen Medien ist es nicht immer einfach zu entscheiden, ob eine Information verlässlich ist.«
Äußere Belastungen werden als Ursache oft überschätzt. Depressionen sind eine eigenständige Erkrankung und in hohem Maße Folge einer vererbten oder erworbenen Veranlagung. »Menschen mit dieser Veranlagung erkranken auch bei guten äußeren Umständen«, sagt Psychiater Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Eine »Depressions-Epidemie« durch eine Polykrise schließt Hegerl deshalb aus.
Auch andere psychische Erkrankungen seien mehr als eine Reaktion auf äußere Belastungen wie Krisenzeiten, erläutert er. Ängste und Sorgen seien immer ein Teil der Symptomatik von Depressionen und Angsterkrankungen. »Viren oder Kriege sind dann aber nicht die Ursachen dafür. Sie könnten aber wie ein Trigger von der Erkrankung aufgegriffen werden.«
Dass Finanzsorgen direkt zu psychischen Erkrankungen führen, hält Hegerl für unwahrscheinlich. »Das entspricht weder meiner klinischen Erfahrung noch liegen dafür ausreichend Belege vor.«
»Wir rechnen in Deutschland in jedem Jahr mit rund 30 Prozent der Bevölkerung, die eine behandlungsbedürftige diagnostizierbare psychische Erkrankung haben«, sagt Andreas Meyer-Lindenberg. »Das ist wirklich sehr viel. Und eine Häufigkeit, die viele Leute sich nicht so klarmachen.«
Lange Zeit hätten Forschende gedacht, psychische Erkrankungen seien zwar sehr häufig, die Fallzahl nehme aber nicht zu. »Jetzt legen Daten aus einer internationalen Studie eine Zunahme nahe, insbesondere bei der jüngeren Bevölkerung.«
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