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Glymphatisches System
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Spülgang fürs Gehirn

Das Gehirn ist das metabolisch aktivste Organ des menschlichen Körpers – Schätzungen zufolge entstehen täglich mehrere Gramm Stoffwechselabfälle. Doch wohin damit? Anders als im übrigen Körper gibt es hier keine klassischen Lymphbahnen für den Abtransport.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 13.04.2026  08:00 Uhr

Spezielle Lymphgefäße im Gehirn entdeckt

Ausgehend vom Liquor-gefüllten Raum zwischen den Hirnhäuten (Subarachnoidalraum) strömt frischer Liquor entlang der Arterien in die perivaskulären Räume und dringt von dort aus in tiefere Hirnregionen vor. Die Endfüßchen der Astrozyten sind reich an Wasserkanälen, den sogenannten Aquaporin-4-Kanälen. Über diese wird der Liquor in das Hirngewebe geleitet, wo er sich mit der interstitiellen Flüssigkeit vermischt und Stoffwechselabfälle aufnimmt. Der nun mit Abbauprodukten angereicherte Liquor wird anschließend entlang der perivaskulären Räume der Venen wieder abtransportiert.

Die zweite Stufe der Entsorgung übernimmt tatsächlich die Lymphe: Entgegen früherer Annahmen gibt es Lymphgefäße, die speziell für das Gehirn zuständig sind. Sie verlaufen in den Hirnhäuten und leiten die Flüssigkeit zu den Lymphknoten im Nacken.

Dieses ausgeklügelte System ist äußerst effizient – und besitzt noch weitere interessante Eigenschaften: Der Flüssigkeitsstrom wird vom Herzschlag angetrieben. Mit jeder Pulswelle, die die Arterien durchläuft, wird der Liquor tiefer ins Hirngewebe gedrückt, wobei die Gefäßwände wie eine Pumpe wirken. Zusätzlich unterstützen die Atembewegungen den Transport, da jeder Atemzug den Druck im Schädel leicht verändert.

Im Oktober 2024 gelang es US-amerikanischen Forschenden erstmals, diesen Prozess auch im menschlichen Gehirn sichtbar zu machen. Hierfür injizierten sie vier Patienten ein inertes Kontrastmittel welches in der Magnetresonanztomografie (MRT) die perivaskulären Flüssigkeitswege im Gehirn sichtbar machte.

Glymphatisches System während des Schlafs aktiv

Während das Lymphsystem kontinuierlich arbeitet, gibt es im Gehirn tageszeitabhängige Unterschiede. Tagsüber sind die Nervenzellen aktiv und eng gepackt – schließlich müssen sie den gesamten Organismus steuern. Nachts hingegen schrumpfen die Neuronen, und der Raum zwischen den Zellen (Interstitium) vergrößert sich um bis zu 60 Prozent.

Besonders während des Tiefschlafs – den Non-REM-Phasen – wird das Gehirn dadurch intensiv »durchgespült« und von Stoffwechselabfällen gereinigt. Verantwortlich ist unter anderem Noradrenalin: Dieses Hormon, das bei Stress ausgeschüttet wird, lässt die Zellen größer werden und reduziert so tagsüber den Interzellularraum.

Es scheint, dass die Schlafposition einen messbaren Unterschied macht, wie bereits 2015 US-amerikanische Forschende in der Fachzeitschrift Journal of Neuroscience berichteten. In einem Tierversuch beobachteten sie mithilfe eines speziellen MRT-Verfahrens, dass der glymphatische Transport in Seitenlage am effizientesten verläuft  – besser als in Rücken- oder Bauchlage.

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