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Glymphatisches System
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Spülgang fürs Gehirn

Das Gehirn ist das metabolisch aktivste Organ des menschlichen Körpers – Schätzungen zufolge entstehen täglich mehrere Gramm Stoffwechselabfälle. Doch wohin damit? Anders als im übrigen Körper gibt es hier keine klassischen Lymphbahnen für den Abtransport.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 13.04.2026  08:00 Uhr

Schlafmangel behindert Reinigungsprozess im Gehirn

Ein chronischer Schlafmangel kann dazu führen, dass Proteinreste und Zellabfälle im Gehirn nicht ausreichend beseitigt werden. Interessanterweise gehen neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz oder Morbus Parkinson häufig Schlafstörungen voraus. Diese treten also offenbar nicht nur als Symptom auf, sondern könnten potenziell auch einen erheblichen Risikofaktor für die Entstehung solcher Erkrankungen darstellen.

So ist beispielsweise das β-Amyloid, das bei der Alzheimer-Krankheit aggregiert, eigentlich ein normales Nebenprodukt des Stoffwechsels. Wissenschaftler vermuten, dass ein vermindertes Durchspülen des Gehirns durch das glymphatische System die Ansammlung dieses potenziell neurotoxischen Proteins begünstigen oder sogar mit verursachen könnte.

Ähnliches gilt für Morbus Parkinson: »Schlaf spielt bei Morbus Parkinson sowohl als Biomarker für frühe Krankheitsanzeichen als auch als therapeutisches Ziel eine zentrale Rolle«, erklärte Professor Dr. Joseph Claßen, zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG), bei einer Online-Pressekonferenz zum Welt-Parkinson-Tag. So gelte insbesondere die Störung des Traumschlafes als ein frühes Warnzeichen der Erkrankung. Doch auch die Tiefschlafphasen seien bei der Parkinson-Krankheit massiv gestört.

Bei Morbus Parkinson trägt das Protein α-Synuklein maßgeblich zum Untergang dopaminerger Neuronen bei. Eine verringerte Clearance dieses Proteins steht im Verdacht, das Fortschreiten der Erkrankung zu begünstigen.

Neuer Therapieansatz?

Die Entdeckung des glymphatischen Systems lässt Hoffnung aufkommen: Eine Verbesserung der Gehirn-Clearance könnte ein vielversprechender Ansatz für zukünftige Therapien sein. So versuchen Wissenschaftler beispielsweise, die Funktion der Aquaporin-4-Kanäle zu modulieren oder mithilfe nicht invasiver Verfahren – etwa Ultraschall – die Clearance zu steigern. Diese Ansätze befinden sich jedoch noch im experimentellen Stadium und beruhen bislang überwiegend auf Erkenntnissen aus Labor- und Tierstudien.

An erster Stelle zur Prävention neurodegenerativer Erkrankungen steht jedoch eine gute Schlafqualität, insbesondere die Förderung der Tiefschlafphasen. Neben einer sorgfältigen Schlafhygiene tragen auch regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr dazu bei.

Einen neuen therapeutischen Ansatz könnten hierbei die sogenannten DORAs (Dual Orexin Receptor Antagonists) darstellen – eine neue Klasse von Schlafmitteln, die die Schlafarchitektur weitgehend unbeeinflusst lassen. In Deutschland ist bislang Daridorexant zugelassen. Die Substanzen wirken als Antagonisten an den wachheitsfördernden Neuropeptiden Orexin A und B.

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