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Ein-Satz-Regel & Selbstmitgefühl
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Tipps gegen zwanghaftes Rechtfertigen

Überschwängliche Entschuldigungen, Gedankenkreisen um vergangene Gespräche oder Rückversicherung bei Freunden: Manche Menschen haben schon bei Kleinigkeiten den Drang, sich für ihr Verhalten zu rechtfertigen.
AutorKontaktdpa
Datum 06.05.2026  08:00 Uhr

In sozialen Netzwerken ist dann häufig vom Rechtfertigungszwang die Rede. Doch auch wenn es so klingt: Eine eigenständige Diagnose ist das nicht. Dennoch kann der sogenannte Rechtfertigungszwang einen enormen Leidensdruck bedeuten und Teil einer psychischen Erkrankung sein.

Unterschied zwischen Erklärung und Rechtfertigung verstehen

»Sorry, dass ich zu spät bin – ich stand im Stau.« Eine Bitte um Entschuldigung, weil man jemanden hat warten lassen und eine kurze Erklärung: knapp, höflich – und für die meisten damit abgehakt.

Manche Menschen gehen mit so einer Situation aber anders um. »Bitte entschuldige, dass ich zu spät bin. Eigentlich bin ich ein pünktlicher Mensch und ich bin auch extra früh losgefahren, aber auf der Straße war kein Durchkommen. Ich hoffe, du bist nicht sauer. Tut mir wirklich leid!«

So oder so ähnlich klingt jemand, der sich für sein Verhalten rechtfertigt. Möglicherweise geht sie oder er die Situation im Kopf zusätzlich immer wieder durch oder fragt bei Freunden oder Kolleginnen nach, ob die andere Person wegen der Verspätung wohl sauer ist.

Der Unterschied liegt der Psychologin und Therapeutin Ulrike Bossmann zufolge nicht nur in der Länge des Gesagten, sondern auch in der Motivation. »Eine Erklärung dient der Kommunikation«, sagt sie. »Die Rechtfertigung der Regulation der eigenen Gefühle.«

Wer sich rechtfertigt, will zum Beispiel etwas gegen Scham- oder Schuldgefühle tun und beziehungsweise ist besorgt, was andere von ihm oder ihr denken. »Wer sich rechtfertigt, verspricht sich davon emotionale Entlastung«, sagt Bossmann.

Ursachen für Rechtfertigungszwang

Der Drang, sich ständig zu rechtfertigen, kann Teil einer psychischen Erkrankung sein. Etwa von Depressionen: Betroffene haben neben anderen Symptomen oft Schuldgefühle. Manche versuchen, sie mit Rechtfertigungen zu mildern. Oder von Angsterkrankungen: Rechtfertigungen sollen Sicherheit bringen, indem sie zum Beispiel vor Kritik oder Ablehnung schützen.

Der sogenannte Rechtfertigungszwang kann aber auch Teil dessen sein, was schon im Begriff steckt: einer Zwangserkrankung. »Viele denken dabei an physische Zwangshandlungen wie den Waschzwang«, so Bossmann. »Aber es gibt auch mentale Zwangshandlungen.«

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