PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Beratung kompakt
-
Transdermale Systeme richtig anwenden

Wirkstoffhaltige Pflaster – auch transdermale Systeme (TTS) genannt – sind bequem in der Anwendung und garantieren eine konstante Arzneimittelabgabe. Für eine korrekte Anwendung gilt es allerdings einiges zu beachten.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 24.02.2026  12:00 Uhr

Vorteile

  • konstanter Wirkstoffspiegel
  • Wirkung meist über mehrere Tage
  • gut geeignet für Patienten mit Schluckbeschwerden oder Demenz
  • Wirkstoff gelangt über die Haut direkt in den Blutkreislauf, kein First-Pass-Effekt

Welche Wirkstoffe sind geeignet

  • kleine, lipophile Moleküle
  • nur stark wirksame Substanzen geeignet (Wirkung im unteren mg- bis µg-Bereich), um handliche Pflastergröße zu gewährleisten
  • Anwendung zum Beispiel in der Schmerztherapie, zur Raucherentwöhnung oder bei der Hormonersatztherapie

Unterschiedliche Systeme

  • Membranpflaster: Wirkstoff meist in einer Flüssigkeit gelöst in einem flachen Depot; Kontrollmembran steuert Wirkstofffreisetzung
  • Matrixpflaster: Wirkstoff direkt in der Klebematrix gelöst oder suspendiert

Vorbereitung

  • geeignete Körperstellen: Bauch, Rücken, Oberarm oder Oberschenkel
  • Hormonpflaster nicht auf die Brust aufbringen
  • ausreichendes Unterhautfettgewebe an der Applikationsstelle erforderlich, da sonst verminderte Wirkstoffaufnahme möglich (etwa bei knochennahen Stellen oder sehr mageren Patienten)
  • Applikationsstelle: verletzungsfrei, sauber, trocken, fett- und haarfrei
  • nicht auf Tätowierungen aufbringen
  • Haarentfernung nur mit Schere, Nass- und Trockenrasierer wegen der Gefahr von Hautverletzungen vermeiden
  • Hautreinigung nur mit klarem Wasser; anschließend trocken tupfen

Pflaster aufbringen & wechseln

  • Schutzfolie entfernen
  • Klebefläche nicht berühren
  • Pflaster faltenfrei komplett aufkleben (Rändern und Ecken andrücken)
  • circa 30 Sekunden mit flacher Hand andrücken
  • Datum und Uhrzeit notieren, bei transparenten/hautfarbenen Pflastern gegebenenfalls auch Applikationsstelle
  • Pflaster täglich auf korrekten Sitz prüfen
  • nicht mit Verbandsmaterial fixieren
  • altes Plaster vor Aufbringen des neuen entfernen
  • bei Pflasterwechsel andere Hautstelle wählen, um Hautirritationen zu vermeiden

Nicht teilen!

  • Pflaster nicht zerschneiden: ungenaue Dosierung und unkontrollierte Wirkstofffreisetzung möglich
  • besonders bei Membranpflastern: gesamter enthaltener Wirkstoff kann auf einmal freigesetzt werden (Sturzentleerung)

Achtung Wärme

  • Wärme kann die Wirkstofffreisetzung steigern, Überdosierung möglich
  • 4-S-Regel: Solarium, Sauna, Sonnenbäder und Sommerhitze meiden
  • keine Wärmflasche oder Heizdecke in Pflasternähe
  • Vorsicht beim Frisör: keine Trockenhauben bei Pflastern oberhalb des Schlüsselbeins
  • während fiebriger Erkrankung auf orale Arzneiform wechseln
  • Sport: extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit sowie langes/intensives Training vermeiden; atmungsaktive Kleidung tragen; in den ersten zwei Wochen moderat trainieren und auf mögliche Nebenwirkungen achten

Weitere Beratungstipps

  • Wasserfestigkeit: Baden, Duschen oder Schwimmen sind kein Problem; aber auf die Temperatur achten (siehe oben), maximal 37 °C
  • Wirkstofffreigabe beginnt mit dem Aufkleben des Pflasters, maximaler Plasmaspiegel erst nach Stunden bis Tagen erreicht; TTS eigenen sich nicht zur Akuttherapie oder für rasche Dosisänderungen
  • MRT: Hautverbrennungen bei Aluminium-haltigen TTS möglich, im Zweifel vorher entfernen

Aufbewahrung & Entsorgung

  • Kindersicher aufbewahren
  • Verwechslungen ausschließen: getrennt von Verbandsmaterial lagern
  • nach Entfernen sind noch relevante Wirkstoffmengen enthalten, daher: (kinder-)sichere Entsorgung, Klebeflächen aufeinanderkleben, sofort in den Hausmüll geben
  • gegebenenfalls vom Hersteller beigefügte Entsorgungssysteme (etwa Beutel) verwenden
TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa