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Dauernd nervös
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Ursachen für innere Unruhe

Keine Angststörung, aber dauernd wieder nervös und innerlich unruhig – das betrifft geschätzte fünf bis sieben Prozent der Erwachsenen in Deutschland. Dabei sind Frauen wahrscheinlich häufiger betroffen – oder Männer reden seltener darüber. Wichtige mögliche Ursachen im Folgenden.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 21.10.2026  16:00 Uhr

Ursache 1: Sexualhormone

Mit dem Einsetzen der Wechseljahre sinkt der Progesteronspiegel bei Frauen. Das Gelbkörperhormon beeinflusst den weiblichen Körper auf vielfältige Weise. Eine für die innere Ausgeglichenheit zentrale Wirkung ist die beruhigende, den Schlaf positiv beeinflussende und Ängste lösende. Nimmt dieser Einfluss ab, leidet darunter auch die Fähigkeit, sich zu entspannen.

Das Östrogen fährt in der Perimenopause Achterbahn und kann auf diese Weise wichtige Neurotransmitter-Gleichgewichte stören, wie die von Serotonin und Dopamin.

Ursache 2: Versteckte Depression

Eine larvierte Depression äußert sich vor allen Dingen in körperlichen Symptomen. Das Vegetativum steuert unter anderem innere Unruhe bei. Wer daran erkrankt ist, fühlt sich ständig »unter Strom« und kann fast nie richtig entspannen. Begleitsymptome der inneren Unruhe sind häufig Herzrasen, eine verspannte Muskulatur, inneres Zittern und Schlafstörungen. Weitere körperliche Beschwerden lenken den ärztlichen Blick oft zuerst auf eine somatische Ursache. Deshalb bleibt eine larvierte Depression oft lange im Verborgenen.

Ursache 3: Herz jagt Psyche

Aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Nicht die erkrankte Psyche löst die körperlichen Symptome aus, wie bei der larvierten Depression, sondern der erkrankte Körper die seelische Nervosität und Unruhe. Das ist zum Beispiel so, wenn das Herz unerkannt erkrankt ist. Gerät es dadurch immer wieder aus dem Takt und/oder schlägt zu schnell, dann registriert das Gehirn den veränderten Blutfluss und dass das Herz nicht wie gewohnt schlägt. Das versetzt das Gehirn in Alarm, und daraus resultieren Nervosität und Unruhe.

Zu den möglichen Herzkrankheiten mit diesem Effekt gehören unter anderem Vorhofflimmern sowie eine Bradykardie, also ein zu langsamer Herzschlag. Selbst kommen Laien meist nicht auf diese Ursache.

Ursache 4: Die Schilddrüse

Zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr entwickeln besonders oft Frauen eine Schilddrüsenunterfunktion auf Basis einer Hashimoto-Thyreoiditis. Die Krankheit beginnt oft um das 30. Lebensjahr herum, die Unterfunktion der Schilddrüse manifestiert sich aber nicht immer sofort. Auch eine Überfunktion durch einen Morbus Basedow ist möglich. Zudem häufen sich hormonproduzierende Knoten in der Schilddrüse.

Ursache 5: Angst frisst Seele auf

Die Grenzen zwischen starker Nervosität und einer Angststörung sind fließend und liegen vor allem in Unterschieden der Intensität und dem Ausmaß der Beschwerden und damit darin, wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.

Eine Angststörung zeichnet sich durch unverhältnismäßig starke Symptome aus, die den ganzen Menschen überwältigen können und ihm das Gefühl geben, einer Situation vollständig ausgeliefert zu sein. Die Symptomatik gestaltet sich derart, dass sich Betroffene häufig zurückziehen, bestimmte Situationen meiden und alles so ausrichten, dass möglichst keine Attacke auftritt.

Im Gegensatz dazu ist die dauernde oder häufige Nervosität zwar ebenfalls sehr unangenehm, lässt es aber in der Regel zu, dass Betroffene ihren Alltag meistern. Im Falle der larvierten Depression übererfüllen sie ihre Aufgaben sogar häufig und engagieren sich ganz besonders stark.

Ursache 6: Sozial unter Druck

Wer Pech hat, sorgt im Alter von 40 bis 60 auf der einen Seite für die heranwachsenden Kinder und auf der anderen für die unterstützungsbedürftigen Eltern. Experten nennen das auch Sandwich-Position. Nicht zu vergessen die Berufstätigkeit. Die vielfältigen Aufgaben verlangen oft Frauen besonders viel ab, Zeit zur Regeneration bleibt kaum.

Ursache 7: Zu viel online

Scrollen Menschen täglich lange Zeit am Handy, kann das ihr Nervositätslevel auch außerhalb der Scroll-Zeit erheblich steigern. Forschende sprechen von »digitalem Stress«. Dabei registriert das vegetative Nervensystem die durch das Scrollen ausgelöste Flut an Reizen als Alarm.

Der Sympathikus ist permanent aktiv und versetzt den Organismus in Daueranspannung, selbst wenn die angeschauten Inhalte nicht negativ sind. Durch die durchs Dauerscrollen verursachte Sympathikusdominanz gelangt der Geist deutlich schwerer in einen Zustand der Entspannung.

Folgen von Dauerstress

Die Summe der Stressoren mündet in einer Dauerstimulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse als Stressachse des menschlichen Organismus. Der präfrontale Kortex und der Hippocampus, die sie normalerweise in Schach halten, leiden unter der hohen Konzentration an Stresshormonen. Rezeptoren im Gehirn reagieren weniger auf die ständig erhöhten Cortisolmengen. Das Gehirn registriert dann einen Mangel des Hormons und heizt die Synthese in der Nebennierenrinde weiter an. Schlimmstenfalls mündet das Geschehen in einen Zusammenbruch der körpereigenen Möglichkeiten, Stress unterschiedlichster Art erfolgreich abzupuffern.

Auslöser abklären

PTA haben eine wichtige Funktion dabei, Menschen aus einer Stressspirale mit dauernder Nervosität herauszuhelfen. Es gilt: Eine anhaltende oder mehrmals am Tag und/oder nachts auftretende innere Unruhe und Nervosität gehört ärztlich abgeklärt. Erst wenn gesichert ist, dass der Nervosität keine körperliche Ursache zugrunde liegt, können zum Beispiel Phytopharmaka mit hochkonzentriertem, standardisiertem ätherischen Lavendelöl Linderung bringen, ebenso Extrakte mit Melisse, Baldrian und Hopfen.

Beruhigend wirken außerdem ein möglichst regelmäßiger Tagesablauf, in den Bewegung integriert ist, und zum Beispiel tägliche Atemübungen. Wenn es auch keine speziell beruhigende Ernährung gibt, so kann doch ausgewogenes, möglichst naturbelassenes Essen mit nur geringen Mengen an Reizstoffen wie Koffein wahrscheinlich dazu beitragen, dass der Organismus eher in einem ausgeglichenen Fahrwasser bleibt oder dorthin zurückkehrt.

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