| Isabel Weinert |
| 06.08.2026 16:00 Uhr |
Alles stemmen, immer stark sein – Menschen mit funktionaler Depression können nach außen wirken wie der Fels in der Brandung. / © Getty Images/The Good Brigade
Das klassische Bild einer Depression – ein antriebs- und freudloser, in sich zurückgezogener Mensch mit großen Problemen, den Alltag zu meistern – greift bei einer funktionalen Depression nicht. Im Gegenteil, die Betroffenen sind oft genau diejenigen, die alles mühelos zu wuppen scheinen, sich bei der Arbeit und privat immer noch eine Extraportion aufladen und dabei auch noch gute Stimmung verbreiten. Natürlich gibt es Menschen, bei denen das wirklich zutrifft, aber bei einigen verbirgt sich hinter dieser scheinbar perfekten Fassade eine funktionale Depression: nach außen leuchten, nach innen leiden.
Dieses Leiden, das niemand mitbekommt, erleben Betroffene in anhaltend gedrückter Stimmung. Sie vermissen das Gefühl von Freude, das doch früher häufiger spürbar war, und ihr Interesse an eigentlich geliebten Hobbys versickert. Stattdessen fühlen sie sich dauernd müde, schlafen mitunter schlecht ein oder selten durch. Entspannung weicht dauernder innerer Anspannung und dem Gefühl, nur noch funktionieren zu müssen.
Das beeinträchtigt oft auch das körperliche Befinden: Häufige Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, diffuse Schmerzen im Körper und verspannte Muskeln können der inneren Not körperlich Ausdruck verleihen. Damit Betroffene Hilfe suchen, müssen sie aber erst einmal selbst auf die Idee kommen, dass ihre Beschwerden seelisch bedingt sind und wahrscheinlich nicht nachlassen werden, wenn sie weitermachen wie bisher.
Es braucht, wie bei anderen Depressionen auch, mehrere Komponenten für die Entstehung der Erkrankung. Dazu gehören genetische Faktoren. Wer Angehörige hat, die an Depressionen erkrankt sind, trägt selbst ein erhöhtes Risiko. Verschiebungen bei Neurotransmittersystemen werden angenommen, ebenso eine veränderte Stressregulation über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse sowie unterschwellig entzündliche Prozesse und eine veränderte neuronale Plastizität.