| Juliane Brüggen |
| 28.04.2026 08:00 Uhr |
Kombiniert wird die Vitamin-D-Gabe bei Säuglingen mit Fluorid, das ein wichtiger Bestandteil der Kariesprophylaxe ist. Fluorid wird in der Regel in einer täglichen Dosis von 0,25 mg bis zum Durchbruch des ersten Zahns ergänzt. Danach entscheiden die Eltern, ob sie das Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta einführen oder weiter Fluorid supplementieren. Bei Säuglingen, die ausschließlich oder überwiegend Säuglingsnahrung erhalten, die mit Trink-/Mineralwasser mit einer Fluoridkonzentration ≥ 0,3 mg/L zubereitet wird, soll Fluorid nicht separat ergänzt werden.
Zur kombinierten Rachitis- und Kariesprophylaxe sind Tabletten erhältlich, die in einer kleinen Menge Flüssigkeit aufgelöst werden. Vitamin D gibt es zudem als Monopräparat in Form von Tropfen. Wichtig ist, dass das verwendete Präparat als Arzneimittel für die entsprechende Indikation zugelassen ist, Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht verwendet werden.
Die Beratung zur richtigen Anwendung ist nicht trivial, wie ein aktueller Fall zeigt: Ein Säugling war im Zusammenhang mit der Gabe einer Vitamin-D- und Fluorid-haltigen Tablette verstorben, vermutlich, weil er sich daran verschluckt hatte. »Um Komplikationen, wie zum Beispiel eine versehentliche Aspiration (›Verschlucken‹) der Tablette, zu vermeiden, darf die Verabreichung von Tabletten, die Colecalciferol oder Colecalciferol zusammen mit Fluorid enthalten, bei Säuglingen und Kleinkindern nicht in unaufgelöster Form erfolgen«, warnt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in einer Drug Safety Mail.
Folgende Aspekte sind demnach zu beachten:
Andere Flüssigkeiten als Wasser wie etwa Milch könnten den Zerfallsprozess beeinträchtigen oder verzögern, so die AkdÄ. Die Angehörigen der Heilberufe sind angehalten, bei der Verordnung, Abgabe und Beratung auf die sorgfältige Beachtung der Gebrauchsinformation hinzuweisen – insbesondere, wenn zwischen Präparaten verschiedener Firmen gewechselt wird.
Über das Risiko der Überdosierung bei der Gabe von Vitamin-D-Tropfen hatte die AkdÄ bereits im vergangenen Jahr informiert (Arzneiverordnung in der Praxis, 1/2025). In einem Fall hatten Eltern ihrem sechs Monate alten Säugling sechs Tropfen Vigantol® Öl pro Tag gegeben, anstatt einen – was beim Abholen einer Folgeverordnung auffiel. Das Kind blieb ohne Schäden. »Flüssige Vitamin-D-Arzneimittel sollten nur dann zur Rachitisprophylaxe bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt werden, wenn die Einhaltung der vorgesehenen Dosierung sichergestellt ist«, folgern die Autoren. »Eltern müssen dabei auf die Gefahren einer Überdosierung hingewiesen werden.«
Dauerhaft in zu hohen Dosen eingenommen, kann Vitamin D die Calciumwerte im Serum deutlich erhöhen, man spricht von Hypercalcämie. Diese äußert sich zum Beispiel durch Müdigkeit und Muskelschwäche bis hin zu Magen-Darm-Beschwerden und Herzrhythmusstörungen. Auf Dauer können Nierensteine und Verkalkungen entstehen, die die Nierenfunktion einschränken.