Rechtsanwältin Cindy Bramke widmete sich einem Thema, das viele verdrängen, obwohl es jeden treffen kann: Was geschieht, wenn man plötzlich nicht mehr in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen? Das gesetzliche Notvertretungsrecht greife nur in medizinischen Angelegenheiten und sei zeitlich begrenzt – für viele Lebensbereiche reiche das nicht aus. Ohne Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung folge oft ein gerichtliches Betreuungsverfahren: Fremde entscheiden über persönliche und finanzielle Angelegenheiten, während Angehörige kaum Einfluss nehmen können. Wer rechtzeitig vorsorge, verhindere Unsicherheit, Konflikte und unnötige Belastungen. Bramkes Fazit: »Vorsorge ist keine Formalität, sondern eine Verantwortung gegenüber sich selbst und den eigenen Angehörigen.«
Rechtsanwalt Stephan Puhlmann vom Institut zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb) gab einen praxisnahen Einblick in die Möglichkeiten des Betriebsverfassungsgesetzes. Ein Betriebsrat kann schon ab fünf wahlberechtigten Beschäftigten gewählt werden – also in vielen Apotheken. Seine Rechte reichen von Informations- und Anhörungsrechten bis hin zur Mitbestimmung bei Arbeitszeiten, Urlaubsregelungen, Vergütung sowie Einstellungen und Kündigungen. Ohne Beteiligung des Betriebsrats sind bestimmte Maßnahmen rechtlich angreifbar oder unwirksam.
Betriebsratsmitglieder genießen besonderen Kündigungsschutz und werden für ihre Tätigkeit freigestellt – nur so kann die Interessenvertretung unabhängig und wirksam arbeiten. Puhlmanns Botschaft: Ein gut funktionierender Betriebsrat stärkt nicht nur die Rechte der Beschäftigten, sondern trägt auch zu klaren Strukturen und konstruktiver Zusammenarbeit bei. Gerade Apothekenteams sollten diese Möglichkeit nutzen.
Den krönenden Abschluss des Erlebnis- und Gewerkschaftstags bildete ein Besuch des asisi Panorama Berlin »Die Mauer« am Checkpoint Charlie. In dem eigens errichteten Rundbau entfaltet sich auf 900 Quadratmetern ein detailreiches 360°-Panorama des West-Berliner Stadtteils Kreuzberg in den 1980er Jahren. Das 360°-Rundbild zog die Teilnehmenden unmittelbar in einen fiktiven Herbsttag jener Zeit hinein. Mit dem Blick auf Grenzanlagen und den Todesstreifen der DDR entstand eine beklemmend-reale Szenerie: verfallene und besetzte Häuser, Punks und Mauerkünstler, Touristen und Grenzsoldaten – Momentaufnahmen einer geteilten Stadt. Die dichte Atmosphäre ließ die Vergangenheit greifbar werden, regte zum Innehalten an und lud dazu ein, die vielen Details immer wieder neu zu entdecken.