Im Internet werden zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel beworben, denen eine Wirkung auf Schilddrüsenhormone zugeschrieben wird. Experten warnen jedoch vor einer unkritischen Einnahme. / © Getty Images/d3sign/Yiu Yu Hoi
Eine Autoimmunthyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion im Erwachsenenalter. Dabei greift das Immunsystem das Schilddrüsengewebe an. Produziert das Organ nicht mehr genug Hormone, wird das körpereigene L-Thyroxin in der Regel durch Präparate mit L-Thyroxin substituiert. Nach der Einnahme wird L-Thyroxin in den Zellen des Körpers zu dem aktiven Hormon T3 umgewandelt.
»Trotz ausreichender Substitution mit L-Thyroxin kann es vorkommen, dass einige Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Wortfindungsstörungen bestehen bleiben«, sagt Professor Dr. Lars Möller vom Universitätsklinikum Essen in einer Pressemitteilung der DGE. Betroffene seien dann oft verunsichert und suchten im Internet Rat – und gerieten mitunter an Nahrungsergänzungsmittel, denen eine Wirkung auf Schilddrüsenhormone zugeschrieben wird.
Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, die aktuell insbesondere online beworben werden, griffen die Unsicherheit der Patienten auf. »Häufig wird behauptet, Ursache für die Symptome sei eine Störung bei der Umwandlung von L-Thyroxin in T3. Die Inhaltsstoffe der Präparate wie Selen, Cholin oder Pflanzenextrakte wie Mariendistel sollen angeblich dazu beitragen, diesen Umwandlungsprozess zu unterstützen. Für eine solche Behandlung gibt es jedoch keinen Wirksamkeitsnachweis«, informiert Möller.
Besonders kritisch sieht die Fachgesellschaft Präparate, die Inhaltsstoffe mit möglicher Wirkung auf den Schilddrüsenhormontransport enthalten. »Für Silychristin, eine Substanz aus Mariendistelextrakten, zeigen Untersuchungen, dass sie den Schilddrüsenhormon-Transporter MCT8 hemmen kann«, erklärt Möller. MCT8 ist ein Transporteiweiß, das Schilddrüsenhormone in Zellen bringt. Somit könnte eine regelmäßige Einnahme die zu behandelnden Symptome sogar verstärken, anstatt sie zu lindern.
Auch Cholin, früher als Vitamin B4 bezeichnet, sollte nicht leichtfertig eingenommen werden: Einer aktuellen Studie zufolge können erhöhte Cholinkonzentrationen mit niedrigem Schilddrüsenhormonstatus und erhöhtem TSH im Blut sowie einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert sein.
Die DGE empfiehlt Patienten mit anhaltenden Beschwerden, diese ärztlich abklären zu lassen. Dabei sollten unter anderem die korrekte Einnahme von L-Thyroxin, mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln sowie andere Ursachen der Beschwerden überprüft werden. Eine eigenständige Änderung der L-Thyroxin-Dosis oder das Absetzen der Therapie seien nicht ratsam.