Mit der richtigen Einstellung lässt sich das Älterwerden auch als Gewinn sehen. / © Adobe Stock/djoronimo
Irgendwann ist er da, dieser Gedanke: Huch, jetzt werde ich alt. Vielleicht an einem runden Geburtstag, vielleicht vor dem Spiegel, vielleicht fühlt sich der Körper plötzlich anders an. Für viele ist das kein schöner Gedanke, sondern mit einer Art Schreck verbunden. Dabei geht es nicht nur um Falten und graue Haare oder darum, dass es hier und da zwickt. Sondern auch um größere Fragen: Werde ich jetzt immer mehr abbauen? Werde ich weniger wert? Wie viel kann ich überhaupt beeinflussen?
»Altern ist verbunden nicht nur mit Verlusten, sondern auch mit Gewinnen«, sagt die Psychologin und Altersforscherin Professorin Jana Nikitin. Doch: »Dadurch, dass wir uns auf die Verluste fokussieren, vergessen wir sehr schnell, dass die Gewinne immer noch da sind.«
So rechnen wir damit, schwächer, unattraktiver, vergesslicher zu werden. Ist das so? Nicht unbedingt, doch unsere Vorstellung vom Alter ist so: eher negativ. Selbst vermeintliche Komplimente können sie weiter festigen: »Du siehst viel jünger aus« etwa. Oder die Aussage: »Ich fühle mich zehn Jahre jünger.« Alt, das sind damit andere. »Eigentlich betonieren wir damit die negativen Altersbilder«, sagt Jana Nikitin. Die Botschaft dahinter sei schließlich: Altsein ist etwas Schlechtes – und zum Glück gehöre ich noch nicht dazu.
Das liege unter anderem daran, dass viele kaum oder keinen Kontakt zu Menschen außerhalb der eigenen Altersgruppe haben, von der Familie mal abgesehen, so die Forscherin. Dann fehlen Erfahrungen, die pauschale Vorstellungen korrigieren könnten. »Wir wissen aus sehr viel sozialpsychologischer Forschung, dass Kontakt dazu führt, dass man Stereotype abbaut«, sagt Nikitin. Ihr Rat lautet deshalb: »Eignen Sie sich Wissen an und haben Sie Freunde in anderen Altersgruppen – nicht immer nur innerhalb der eigenen Altersgruppe.«
Altersbilder können sogar beeinflussen, wie wir tatsächlich altern, so die Forscherin. Wer etwa Rückenschmerzen bekommt und sofort denkt: »Das ist das Alter, da kann ich nichts machen«, verzichtet darauf, nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen. So entsteht eine Art selbsterfüllende Prophezeiung: Wir rechnen mit dem Abbau, deuten Veränderungen entsprechend – und werden passiver.