Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo fordert Tausende Todesopfer. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer. / © Getty Images/Joao Paulo Burini
Die Zahl der Ebola-Infektionen und Todesfälle in der Demokratischen Republik Kongo steigt dramatisch. Inzwischen sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden des zentralafrikanischen Landes 5.026 Menschen an dem hochansteckenden Fieber gestorben. In 8 Provinzen des zweitgrößten afrikanischen Landes gibt es Fälle. Schon jetzt ist es der am schnellsten wachsende Ebola-Ausbruch, den es bisher auf dem Kontinent gab.
»Die Fallzahlen geben die Dynamik des Ausbruchs einigermaßen verlässlich wieder. Wir wissen aber, dass es eine erhebliche Dunkelziffer und Lücken in der Überwachung gibt«, sagt Torsten Feldt, Bereichsleiter Tropenmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf. »Nach aktuellen Schätzungen könnte die tatsächliche Zahl der Infektionen zwei- bis dreifach über den offiziellen Zahlen liegen.«
»Die bestätigten Zahlen sind wahrscheinlich die untere Grenze«, schätzt Jürgen May, Vorstandsvorsitzender des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. »Es kann sein, dass es zur verzögerten Meldung neuer Fälle kommt, zur nachträglichen Klassifizierung verstorbener Verdachtsfälle sowie zu fehlenden Meldungen leichterer Verläufe, da sie nie getestet wurden. Eine seriöse Zahl für die Dunkelziffer ist schwer zu erheben und nicht bekannt.«
Mehr als die Hälfte der Todesfälle ist außerhalb von Behandlungszentren aufgetreten, wo jeder Todesfall ein hohes Infektionsrisiko für Familien und die Bevölkerung bedeutet. »Diese Zahlen verdeutlichen die Lücken in der Überwachung. Die zunehmend kritische Sicherheitslage im Kongo mit Vertreibung von Bevölkerungsgruppen und eingeschränktem Zugang für Hilfsorganisationen erschwert die Überwachung und Bekämpfungsmaßnahmen weiter dramatisch«, so Feldt.
Kritisch ist zudem die Nachverfolgung von Kontakten von Ebola-Patienten. Seit längerem weist die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC darauf hin, dass ein zu geringer Teil der Kontakte tatsächlich erfasst und nachverfolgt wird. Zudem sterben viele Patienten nicht in den Ebola-Behandlungszentren, sondern zu Hause oder in normalen Krankenhäusern, wo sie nicht als Ebola-Erkrankte erkannt wurden. Im Fall des derzeit grassierenden Ebola-Erregers vom Typ Bundibugyo ist unter anderem eine Verwechslung der Symptome mit einer wesentlich häufigeren Malaria-Erkrankung möglich.
Hinzu kommt: Die meisten Fälle wurden bisher im Nordosten und Osten des riesigen Landes verzeichnet – Regionen, in denen es seit Jahrzehnten bewaffnete Konflikte gibt und mehr als 100 Milizen aktiv sind. Die Unsicherheit erschwert die Arbeit der Helfer, hindert aber auch Menschen daran, die Gesundheitszentren aufzusuchen, um sich testen zu lassen. Außerdem gibt es weiterhin viele, die die Existenz von Ebola leugnen, auch wenn Tausende Freiwillige Aufklärungsarbeit leisten.