Der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo wurde Mitte Mai offiziell bekanntgegeben. Angesichts der bereits damals hohen Fallzahlen gingen Experten aber schon zu dem Zeitpunkt davon aus, dass die hochansteckende Infektionskrankheit bereits seit längerer Zeit im Umlauf war. »Der Ausbruch wurde sicherlich sehr spät bemerkt und läuft wohl mindestens seit Anfang des Jahres«, schätzt Gertler.
»Das Perfide an Ebola ist, dass es in der frühen Phase keine besonders spezifischen Symptome gibt«, so Gertler. Die Patientinnen und Patienten haben Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Ganzkörper- und Kopfschmerzen, ähnlich wie bei grippalen Infekten oder einer Malaria. Wenn medizinische Fachkräfte dann keinen Zugang zu adäquater Labordiagnostik haben und Erkrankte die ohnehin schwachen Gesundheitseinrichtungen aus Angst nicht aufsuchen, ist es schwer bis unmöglich, die Krankheit sofort zu erkennen.
Bei der Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs war zunächst nur die Provinz Ituri im Nordosten des Kongo betroffen – inzwischen ist das Fieber in sechs Provinzen des zentralafrikanischen Landes aufgetreten, das von der Fläche das zweitgrößte Land Afrikas ist.
»Die aktuelle Herausforderung ist, dass wir immer mehr Fälle und Todesfälle in entlegenen Regionen sehen«, sagt Gertler. Das seien Gebiete, die dünner besiedelt, schlecht zu erreichen und meist sehr unsicher sind. Die Hilfe kommt nur schwer vor Ort – das gilt für Tests, Isolierung, Behandlung und Aufklärungsarbeit.
In größeren Städten wie etwa Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri, konnten recht schnell Behandlungs- und Laborkapazitäten ausgebaut werden. Allein Ärzte ohne Grenzen betreibt insgesamt sieben Behandlungszentren und zahlreiche Isolierstationen in Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu sowie in der Provinz Tshopo, wo gerade ein neues Behandlungszentrum aufgebaut wird. Insgesamt sind das laut Gertler etwa 430 Betten sowie mehr als 1.400 Mitarbeitende in der Region.
»Dort, wo wir Erkrankte behandeln können, das berichten mir die Kolleginnen und Kollegen von vor Ort immer wieder, wächst auch das Vertrauen der Bevölkerung«, sagt der Mediziner. »Patienten kommen dann früher und wir erkennen mehr Kontaktpersonen.«
In den ländlichen Regionen aber gebe es gravierende Lücken und kaum Zugang zu rascher Diagnostik. »Die ist natürlich essenziell, um Fälle tatsächlich zu erkennen, zu registrieren, adäquat zu behandeln und auch um die Nichtfälle sicher zu identifizieren«, sagt Gertler. Insbesondere in ländlichen Regionen müssten dringend mehr Isolierstationen eingerichtet werden.