»Neben den körperlichen Symptomen haben die CED auch tiefgreifende psychosoziale Auswirkungen«, sagt der Gastroenterologe Dr. Markus Escher, Leonberg bei Stuttgart, gegenüber PTA-Forum. »Die Krankheitsschwere, ihre Unvorhersehbarkeit durch die oft chronisch-rezidivierenden Schübe, mögliche Therapienebenwirkungen und soziale Einschränkungen beeinflussen Lebensqualität, psychische Gesundheit, Partnerschaft, Sexualität, Beruf und soziale Teilhabe der Betroffenen mitunter erheblich.« Er weiß: Patienten mit leichtem Verlauf, bei denen sich die Erkrankung nach einmaliger kurzer Therapie in Remission, also ohne Krankheitszeichen, befindet, sind in der Minderheit. Der Großteil der Betroffenen benötigt lebenslang Medikamente. Oftmals wirkt die Medikation nur zeitlich begrenzt, und ein neuer Wirkstoff muss ausprobiert werden oder es wird eine Darmoperation nötig.
Dennoch ermutigt Escher: »Betroffene sollten sich ihr Leben nicht von der CED bestimmen lassen!« Es gibt inzwischen viele unterschiedliche Wirkprinzipien zur Therapie beider Krankheiten, etwa Mesalazin (5-ASA), Glucocorticoide, Immunsuppressiva, Small Molecules wie JAK-Inhibitoren und Ozanimod sowie Biologika.
Und es tut sich viel in der Forschung: Parameter (etwa im Blut) werden identifiziert, Algorithmen entwickelt, mit deren Hilfe der Arzt möglichst schon zu Therapiebeginn die vielversprechendste Medikation auswählen kann. Escher rechnet damit, in vier Jahren mit ihnen zu arbeiten.
Heute behandelt er nach der Treat-to-Target-Strategie, die sich als zentrales Konzept in der CED-Therapie etabliert hat. Hierbei geht es um das Erreichen und die systematische Überprüfung (Symptomcheck und objektive Parameter wie Labor, Endoskopie, Bildgebung) klar definierter therapeutischer Endpunkte, die Arzt und Patient zuvor gemeinsam festgelegt haben. Bleibt das Therapieziel binnen eines bestimmten Zeitraumes aus, wird die Behandlung angepasst. Escher erklärt: »Unkontrollierte Entzündungen sollen früh erkannt und damit Komplikationen wie Fisteln, Engstellen oder Operationen verhindert und eine bestmögliche Lebensqualität für die Betroffenen gesichert werden.«