Ein weiterer Ansatz zur Desensibilisierung, der bereits in einer Phase-3-Studie untersucht wurde, ist eine epikutane Immuntherapie mithilfe eines Pflasters. Betroffene Kinder bekommen dabei täglich ein Pflaster auf die Haut geklebt, das eine konstante Menge an Erdnussprotein enthält. Nach einem Jahr täglichem Pflasterkleben vertrugen die meisten Kinder im Provokationstest deutlich höhere Allergenkonzentrationen als vor der Behandlung. Wer beispielsweise mehr als 10 mg Erdnussprotein toleriert hatte, sollte nach der Behandlung mindestens 1000 mg Erdnussprotein vertragen können.
Auch monoklonale Antikörper sind in der Lage, das Immungeschehen im Körper runterzudimmen. Omalizumab (Xolair®) und Dupilumab (Dupixent®) richten sich spezifisch gegen Immunglobulin E (IgE). Sie unterbrechen so die allergische Kettenreaktion und reduzieren außerdem die Aktivität und Anzahl der IgE-Rezeptoren auf der Oberfläche der Mastzellen, sodass weniger freies IgE gebunden werden kann.
Damit ist klar: Die Antikörper heben nur den Schwellenwert für die Menge an Allergen an, die eine Person zu sich nehmen kann, bevor es zu einer Reaktion kommt. Patienten müssen das Allergen also auch weiterhin meiden. Allerdings bieten sie sich deshalb gut als Add-on zur spezifischen Immuntherapie an. Derzeit wartet Omalizumab hierzulande noch auf die Zulassung für die Indikation Erdnussallergie. Die FDA-Zulassung für Xolair besteht dagegen bereits seit 2024.
Warum verlaufen allergische Reaktionen bei manchen Menschen besonders schwer, obwohl sie auf dieselben Allergene reagieren wie andere Betroffene? Das liegt maßgeblich an der molekularen Feinstruktur der gebildeten IgE-Antikörper, hat jetzt eine Forschungsgruppe um Dr. Carolin Steinert vom Institut für Allergieforschung der Charité – Universitätsmedizin Berlin herausgefunden.
IgE ist ein stark glykosyliertes Protein – es trägt also Zuckerstrukturen (Glykane) an bestimmten Bindungsstellen. Laut der Berliner Forschungsgruppe ist die genaue Zusammensetzung dieser Zuckerketten bei Allergikern, die auf eine geringe Dosis Allergen reagieren, anders als bei solchen, die erst bei einer hohen Dosis reagieren. Besonders der Zucker Sialinsäure beeinflusst, wie effektiv IgE Mastzellen aktivieren kann. IgE mit einem hohen Sialinsäureanteil führen zu einer deutlich schwächeren Aktivierung von Mastzellen nach Bindung des Antigens als IgE mit einem geringen Anteil. Unterschiedliche Zuckerstrukturen können also die »Schlagkraft« des Immunsystems – und damit die Schwere der allergischen Reaktion – entscheidend modulieren.
Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Allergiediagnostik und möglicherweise auch für therapeutische Ansätze, schreibt die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) in einer Pressemitteilung. Langfristig könnten individuelle Unterschiede in der IgE-Glykosylierung helfen, das Risiko schwerer allergischer Reaktionen besser vorherzusagen und personalisierte Behandlungsstrategien zu entwickeln.