»Als gutes Gespräch empfinden wir es aus psychologischer Sicht, wenn wir uns gesehen und verstanden fühlen«, sagt Psychologe und Autor Rolf Schmiel. / © Getty Images/ABRAHAM GONZALEZ FERNANDEZ
»Während gute Gespräche uns innerlich stärken, verstärken oberflächliche Kontakte das Gefühl der Einsamkeit«, sagt der Psychologe und Autor Rolf Schmiel (Buchtitel: »Vom Glück des guten Gesprächs«). Die gute Nachricht: Konstruktiver Dialog lässt sich erlernen. Wie kann aus Kontakt echte Verbindung werden? Was macht Deep Talk aus – und wo liegen seine Grenzen? Ein Überblick.
Ein gutes Gespräch muss nicht immer lang oder außergewöhnlich tiefgründig sein. »Als gutes Gespräch empfinden wir es aus psychologischer Sicht, wenn wir uns gesehen und verstanden fühlen. Wenn ich das Gefühl habe, ich darf über alles reden, was mir wichtig ist«, sagt Schmiel. Ein Austausch bleibt dagegen oberflächlich, wenn lediglich routinemäßige Fragen gestellt werden – nach dem Motto »Na, wie war der Urlaub?« –, ohne dass echtes Interesse an der Antwort besteht.
Die Soziologin Marie-Kristin Döbler vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in München sagt: »Gute Gespräche bestätigen uns in unserer Identität. Sie zeigen uns, dass wir als Person gesehen werden – nicht nur als eine Rollenträgerin oder als Vertreter von einer Institution oder als jemand, der eine bestimmte Aufgabe erfüllt.«
Damit kann ein gutes Gespräch auch über den Moment hinauswirken. »Ein gutes Gespräch zahlt immer auf den Selbstwert des Gesprächspartners ein«, sagt Schmiel. Das kann sich auf verschiedenen Ebenen auswirken. »Man kann selbstbewusster werden, weniger ängstlich und künftig vielleicht noch bessere Entscheidungen treffen«, so der Psychologe.
»Das Wichtigste ist, dass man ein echtes und authentisches Interesse an seinem Gegenüber zeigt, das nicht nur gespielt ist«, sagt Marie-Kristin Döbler. Dazu zählt etwa, sich daran zu erinnern, was in einem vorausgegangenen Gespräch erzählt wurde. »Das hat viel mit Wertschätzung zu tun, wenn man dann bei der nächsten Begegnung konkret nachfragt, und nicht nur eine Art Agenda abarbeitet.«
Ebenso wichtig ist die ungeteilte Aufmerksamkeit. Wer während des Gesprächs auf das Handy schaut, einem vorbeigehenden Menschen hinterherblickt oder sich sichtbar mit eigenen Gedanken beschäftigt, vermittelt dem Gegenüber, nicht ganz bei ihm zu sein.
Auch Ehrlichkeit und Zugewandtheit sind für gute Gespräche zentral. »Ich spüre das und nehme es unbewusst wahr, wenn einer nur pseudo zuhört und nur so tut, als ob er sich für mich interessiert«, so Schmiel.