Nein. »Manchmal kann man sich hervorragend mit wildfremden Menschen unterhalten, vielleicht auch, weil ich weiß, die sehe ich nie wieder«, sagt Döbler. Etwa beim Bahnfahren, wenn man gemeinsam mit Fremden auf einen verspäteten Zug oder einen verpassten Anschluss wartet.
»Eigentlich ist der Ausgangspunkt nur das Bahn-Chaos – und darüber entdeckt man dann, dass einem das Gegenüber sympathisch ist. Und dann entwickelt sich ein ganz anderes Gespräch und man ist relativ schnell bei sehr persönlichen Themen«, so Döbler.
Wer eine persönliche Nachfrage stellt, sollte dem anderen immer die Gelegenheit gegeben, individuell darauf zu reagieren. Und auch akzeptieren, wenn das Gegenüber nicht ins Detail gehen möchte. »Die eindringliche Frage: ›Sag mal, dir geht's nicht gut?‹ kann sich auch schnell wie ein Angriff anfühlen«, sagt Schmiel. Vor allem dann, wenn man permanent nachhakt: »Es gibt nicht unangenehmeres als Pseudopsychologen, die dauernd nur Deep Talks führen wollen – und sich damit deutlich übergriffig verhalten.«
Nicht alles lässt sich zudem durch ein gutes Gespräch lösen. »Man kann bei guten Gesprächen zwar auch völlig unterschiedlicher Meinung sein, aber schwierig wird es, wenn man die ewig selben Gespräche mit Menschen führt, denen man immer wieder begegnet – wie etwa Eltern oder Geschwistern«, sagt Döbler. Sie hält es in solchen Fällen für zulässig, bewusst bei einem unverfänglichen Austausch zu bleiben: »In solchen Fällen dann statt Deep Talk mal Small Talk führen«.