In ihrem Buch empfiehlt die Physiotherapeutin darauf aufbauend kurze Strategien, die der Erschöpfung entgegenwirken sollen. Der Reiz dieser »Ein-Minuten-Strategien« liegt laut Wohlfarth darin, dass die Hürde, sie umzusetzen, besonders niedrig ist. Wer bereits überlastet ist, empfindet tägliche Meditation, ausführliches Schreiben oder eine halbe Stunde Sport womöglich als weitere Aufgabe.
Beispiele gefällig? Wer Erschöpfung eher als innere Unruhe empfindet, dem empfiehlt Wohlfarth etwa eine einfache Bewegungsabfolge: aufrecht stehen und die Arme locker ausschwingen lassen, sodass sie den Körper berühren. »Das hilft mir, diese innere Unruhe abzubauen und ein bisschen Energie zu tanken für den Moment.«
Wer sich dagegen bei Erschöpfung eher »wie abgeschaltet« fühlt, kann Arme, Beine und Gesicht sanft mit den Fingerspitzen abklopfen. Das könne helfen, wieder stärker im Körper und im Augenblick anzukommen und sich vorsichtig zu aktivieren.
»Eine einminütige Übung heilt keine Erschöpfung«, betont Julia Wohlfarth dabei. Sie kann aber einen Moment der Entlastung schaffen – und das Gefühl zurückgeben, selbst etwas bewirken zu können. Auf lange Sicht sollen die Strategien dabei helfen, die eigene Erholungsfähigkeit zu stärken. Ziel sollte nicht eine radikale Veränderung sein, sondern kleine Schritte, die sich tatsächlich umsetzen lassen.
»Grundsätzlich sage ich immer: Bitte alle Symptome ärztlich abklären lassen«, sagt Wohlfarth. Besonders starke Erschöpfung nach kleinsten Belastungen – etwa schon nach kurzem Gehen – sollte professionell eingeordnet werden. Auch bei extremer innerer Leere, Hoffnungslosigkeit oder Sinnverlust sei Unterstützung wichtig.
Für den Alltag bleibt eine Haltung, die Wohlfarth besonders wichtig ist: »Nicht gegen den Körper zu arbeiten, sondern ihm freundlich zu begegnen.« Denn oft habe der Körper lange kompensiert, bevor die Erschöpfung spürbar wurde. Wer beobachtet, was Energie raubt und was Energie gibt, kann den eigenen Alltag Schritt für Schritt verändern.