Die Eltern können von Beginn an das Kind an eine ausgewogene Ernährung heranführen, und zwar über Geschmacksprägung. Diese startet laut Jochum schon mit der Schwangerschaft: Die Aromen aus der mütterlichen Nahrung gelangen über die Plazenta zum Kind und beeinflussen mit, was es später einmal geschmacklich mögen wird. Diese Prägung setzt sich über das Stillen und Angebot der Bei- beziehungsweise Familienkost fort. »Ideal ist es, wenn sich Frauen mit Kinderwunsch schon vor der Empfängnis ausgewogen ernähren und normalgewichtig bleiben. Damit legen sie eine gute Grundlage für die Nährstoffversorgung und die Regelkreise zu Zuckerhaushalt und Hungergefühl des möglichen Nachwuchses«, so der Experte.
Für die Familienkost gebe es hierzulande »eine große Auswahl an Lebensmitteln mit Nährstoffen in guter Qualität«. »Solange das Kind gesund und normalgewichtig ist und die Mahlzeiten einen ausgewogenen Mix aus Proteinen, gesunden Fettsäuren, Kohlenhydraten, Vitaminen, Ballaststoffen und Spurenelementen bieten, sollte es genügend Nährstoffe für sein Wachstum und seine Entwicklung erhalten«, sagt Jochum. Der Mediziner rät, den Nachwuchs häufiger verschiedene Obst- und Gemüsesorten probieren zu lassen. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Kinder ein Lebensmittel nach siebenmaligem Anbieten akzeptieren.
Jochum verdammt nicht pauschal jede ungesunde Leckerei. »Die Dosis macht das Gift.« Brötchen am Samstag seien okay, wenn die Brotmahlzeit an den anderen Wochentagen aus Vollkorn bestehe. Es darf auch täglich Weißbrot sein, wenn Gemüse die Beilage ist. Gegen ein Glas Saft pro Tag sei nichts einzuwenden, gegen große Mengen an Säften und Softdrinks allerdings schon. »Kinder sollten von Anfang an Wasser als Durstlöscher erhalten und nur ab und an ein zuckerhaltiges Getränk zum Genuss.« Quetschbeutel mit Brei oder Fruchtpüree für Kinder lehnt der Mediziner allerdings ab. Sie förderten Übergewicht, der enthaltene Zucker schädige den Zahnschmelz. Das Kind übe zudem nicht, die Mundmotorik beim Essen einzusetzen.
Von Nahrungsergänzungsmitteln, vor allem in Form von Kombinationspräparaten, rät Jochum ab: Die Dosierung sei oft nicht passend für Kinder und damit potenziell schädlich. Auch hemmen manche Nährstoffe die Aufnahme anderer, Eisen etwa beeinflusst die Aufnahme der Mineralstoffe Zink, Kupfer und Calcium negativ. »Wir Kinder- und Jugendärzte empfehlen bei gesunden Kindern, die sich aus pflanzlichen und tierischen Quellen ernähren, keine Supplementierung von Nahrungsergänzungsmitteln außer der Vitamin-D-Gabe ab Geburt bis zum zweiten erlebten Frühsommer.«

Wie ernähren Eltern ihre Kinder ausgewogen und gesund? Der Ratgeber gibt wertvolle Tipps.
>> hier im Govi-Shop bestellen
Sind beide Eltern berufstätig, fehlt oft die Zeit, täglich frische und ausgewogene Mahlzeiten zu kochen. Manche Kinder verweigern Brokkoli oder Fisch und essen am liebsten nur Nudeln pur. Vegetarier und Veganer müssen auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen und Vitamin B12 achten (schon während Schwangerschaft und Stillzeit). Und was das Kind am Mittagstisch in Kindergarten oder Schule isst, wissen die Eltern nicht unbedingt.
Auf all das geht der Ratgeber »Welche Nährstoffe braucht mein Kind?« der Ärztinnen Dr. Judith Schaus und Dr. Silvia Kraatz sowie der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Franziska Delgas detailliert ein – mit Übersichten zu Nährstoffen, ihren Aufgaben im Körper und in welchen Lebensmitteln sie stecken. Dazu gibt es 55 Rezepte zu gesunden, schnell zubereiteten Snacks. Kraatz sagt: »Wir laden Eltern und Kinder ein, sich spielerisch mit gesunder und zugleich leckerer Nahrung zu beschäftigen – durch gemeinsames Einkaufen, Kochen und Essen mit allen Sinnen am schön gedeckten Tisch, in Ruhe ohne Handy.« Ihr Tipp, wenn für gesundes Essen in der Woche wenig Zeit bleibt: den Nährstoffbedarf am Wochenende mit reichhaltigen Mahlzeiten ausgleichen.