| Isabel Weinert |
| 13.05.2026 08:00 Uhr |
Eines der am häufigsten in der Apotheke nachgefragten Vitamine ist Vitamin B7 oder Biotin. Kundinnen und Kunden versprechen sich davon positive Effekte auf das Haarwachstum und die Stabilität der Nägel. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 30 bis 60 µg Biotin. Das bekommen gesunde Menschen über eine vollwertige Kost. Ein ernährungsbedingter Mangel ist hierzulande praktisch ausgeschlossen. Allerdings können Antibiotika und Antiepileptika einen Mangel bedingen, wenn sie lange Zeit eingenommen werden. Darmerkrankungen können sich ebenfalls negativ auswirken. In der Schwangerschaft scheint der Biotinspiegel vor allem im letzten Trimenon zu sinken, bis zu 50 Prozent der Schwangeren entwickeln einen Mangel. Ob jedoch eine Substitution im Einzelfall erforderlich ist, besprechen Schwangere am besten mit der Gynäkologin. Achtung, hohe Konzentrationen von Biotin können Laborwerte, etwa für die Schilddrüse oder das Herz, verfälschen. In erster Linie bei einem Mangel kann die Einnahme von Biotin dazu führen, dass weniger Haare ausfallen und die Haare besser wachsen. Äußerlich angewendet, etwa in Form von Shampoos, zeigt das Vitamin diesen Effekt nicht. In der Zubereitung von Lebensmitteln sollte man Dampfgaren anderen Hitzearten vorziehen, weil es das hitzeempfindliche Vitamin schont.
Von großer Bedeutung in der Beratung: Vitamin B9 (Folsäure), denn ohne sie sollte keine Frau mehr schwanger werden. Im Gegenteil, sollten Frauen Folsäure bereits schon dann substituieren, wenn sie und ihr Partner den Kinderwunsch in die Tat umsetzen möchten. Denn fehlt das Vitamin, kann das dramatisch enden. Am schwersten wiegen Neuralrohrdefekte. Diese Vorläuferstruktur für Gehirn und Rückenmark schließt sich bereits 22 bis 28 Tage nach der Befruchtung. Bei einem Mangel an Folsäure gelingt das häufig nicht. Kinder kommen dann mit einem offenen Rücken zur Welt (Spina bifida) oder mit einer Anenzephalie, einer ausbleibenden Entwicklung von Gehirn und Schädel. Letzteres endet zumeist tödlich. Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ist ein weiterer Defekt, den ein Mangel an Folsäure bedingen kann. Zudem steigt das Risiko für eine Fehl- oder eine Frühgeburt oder das Kind kommt klein und schwach zur Welt.