Der G-BA betont in seinem Beschluss auch, dass sich durchaus in Zukunft, wenn mehr Daten vorliegen, noch eine andere Bewertung ergeben könne. »Vielleicht zeigt sich im Rückblick doch noch, dass wir hier über Türöffner sprechen, die den langersehnten Durchbruch bei der Behandlung dieser schlimmen Krankheit, die die Persönlichkeit schleichend auslöscht, bringen. Aber das werden wir erst in einiger Zeit auf Basis weiterer Daten sagen können«, so Hecken. Die G-BA-Bewertung stützt sich im Wesentlichen auf Analysen des unabhängigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Auch Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, hält eine geänderte Bewertung für möglich, »wenn sich Untergruppen von Betroffenen identifizieren lassen, die einen besonderen Nutzen von der Therapie bei niedrigem Risiko haben«. Dafür brauche es Daten aus der echten Anwendung, was in Deutschland aufgrund der negativen Empfehlung möglicherweise schwierig werde.
Eine aktuell erschienene Analyse der britischen Organisation Cochrane weist in eine ähnliche Richtung. Sie hat Studien zu Lecanemab, Donanemab und mehreren weiteren ähnlichen Mitteln ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Wirkstoffe wie Lecanemab und Donanemab haben wohl kaum klinischen Nutzen, dafür aber einige Risiken. Hierbei wurde die Wirkung nicht mit anderen Behandlungsformen verglichen, sondern mit einem Placebo.
Für die Analyse wertete das Forschungsteam 17 klinische Studien der Pharma-Hersteller aus, die Daten von mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten der relevanten Gruppen umfassen — also Alzheimer-Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Demenz.
Konkret wurde geschaut, wie sich 18 Monate Behandlung mit den jeweiligen Antikörpern auswirken. Dabei zeigte sich wenig bis kein Effekt auf die Demenzsymptome der Patienten oder den Abbau ihrer geistigen Fähigkeiten sowie darauf, wie sie mit alltäglichen Aufgaben zurechtkamen.