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Kosmetika
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Welche Pflege das Hautmikrobiom stärkt

Mikrobiomfreundlich, Hautflora unterstützend, probiotische Wirkung: Kosmetika, die das Hautmikrobiom stärken sollen, werden mit allerlei Begrifflichkeiten ausgelobt. Was stimmt – und was nicht? Wir haben mit der Dermatologin und Mikrobiomspezialistin Professorin Dr. Michaela Axt-Gadermann gesprochen.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 15.10.2026  12:00 Uhr

Die Bezeichnung »Säureschutzmantel« ist rund 100 Jahre alt – und ziemlich treffend gewählt. Natürlicherweise hält unsere Haut einen leicht sauren pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5 aufrecht. »Nur im sauren Milieu kann sich die Haut optimal regenerieren und ist besonders gut vor Umwelteinflüssen geschützt. Ein saurer pH-Wert ist für die Funktion der Hautbarriere essenziell, sorgt für die notwendige bakterielle Vielfalt, unterdrückt Krankheitserreger und macht es ihnen schwer, sich auf der Haut anzusiedeln«, sagt Dr. Michaela Axt-Gadermann, Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg.

»Im Prinzip können wir vier Hautbarrieren unterscheiden, die Hand in Hand arbeiten: die Epidermis als mechanische Barriere, der darauf lebende Mikroorganismenrasen, der zusätzlich den Säureschutzmantel der Haut mitbedingt und etwa Erreger abhält, sowie die immunologische Barriere«, so die Expertin, zu deren Forschungsschwerpunkten das Haut- und Darmmikrobiom gehören.

Im Gespräch mit PTA-Forum schildert sie das Zusammenwirken von Hautmikrobiom, Epidermis, darauf lebenden Enzymen und deren Stoffwechsel als ausgeklügeltes System, das in Schieflage gerät, wenn eine Komponente schwächelt. »Die nützlichen Hautbewohner fühlen sich im leicht Sauren am wohlsten und können sich dann besser ausbreiten. Manche stabilisieren das Milieu sogar, indem sie selbst freie Fettsäuren bilden und den pH-Wert niedrig halten. Dieser sorgt zum Beispiel auch dafür, dass kollagenabbauende Enzyme nicht überhandnehmen. Die Mikroorganismen wiederum stärken die mechanische Barriere, indem sie die Talg- oder Ceramidproduktion unterstützen. Wenn die Epidermis geschwächt ist, können zum Beispiel Allergene tiefer eindringen.«

Hier setzt ein relativ neuer Trend in der Kosmetiksparte an: die probiotische Hautpflege, die gleichzeitig den pH-Wert niedrig hält. Basenbäder, Basenpulver oder basische Kosmetik hält die Dermatologin dagegen für kontraproduktiv. »Wird die Haut basisch gereinigt und gepflegt, reduziert sich die Widerstandskraft der Haut gegen Umwelteinflüsse. Der transepidermale Wasserverlust der Haut steigt, die Hautbarriere wird geschwächt. Die Haut reagiert empfindlich. Zudem geraten die angestammten Bakterien unter Druck, und andere Keime gewinnen die Oberhand, so etwa Cutibacterium acnes bei Akne und Staphylococcus aureus bei Neurodermitis.«

Echte Probiotika selten

Der Markt an mikrobiomverträglichen Kosmetika ist ziemlich unübersichtlich – was auch an kreativem Marketing liegt. »Der Begriff ›probiotisch‹ wird inzwischen sehr großzügig verwendet. Doch echte Probiotika zur dermalen Anwendung mit lebenden und vermehrungsfähigen Bakterien gibt es kaum«, so Axt-Gadermann. Das Siegel »Microbiome friendly« bietet zwar eine gewisse Orientierung. Doch letztlich hat ein so zertifiziertes Produkt nur den Nachweis erbracht, dass bei seiner Anwendung die Diversität und das natürliche Gleichgewicht der Mikroorganismen auf der Haut nicht beeinträchtigt werden. Es sagt nichts darüber aus, ob das Hautmikrobiom auch gestärkt wird.

Die Expertin hat einen besseren Praxistipp parat: auf die Abwesenheit von Konservierungsmitteln achten. Ohne sie kommen nur wasserfreie Grundlagen wie Öle, Pulver, Fettsalben oder Darreichungen wie eine »Körperbutter« aus. Alle O/W- oder W/O-Formulierungen benötigen dagegen aufgrund ihres Wassergehaltes Konservierungsstoffe – und können deshalb keine probiotischen lebenden Bakterien enthalten.

»Allein schon durch enthaltene Konservierungsstoffe wird das dermale Mikrobiom empfindlich geschwächt, denn die Substanzen unterbinden nicht nur in der Zubereitung das Bakterienwachstum, sondern auch am Applikationsort«, berichtet sie. »Das mag für eine gesunde, stabile Haut kein Problem sein, wird aber dann relevant, wenn sie etwa sehr empfindlich, gestresst oder durch Neurodermitis, Ekzeme oder Akne geschwächt ist. Vom Allergisierungspotenzial synthetischer Konservierungsstoffe wie Parabene, Propylenglykol oder Phenoxyethanol ganz abgesehen, sind ätherische Öle in der Regel nicht besser.«

Integration in die Barriere

Definitionsgemäß enthalten Probiotika lebende oder lebensfähige Mikroorganismen. »Doch in den meisten Kosmetika leben diese Mikroorganismen nicht mehr. Dann findet man in der INCI-Liste Begriffe wie Ferment, Extrakt-Filtrat, Lysat oder hitzeinaktiviert. Das klingt zwar überzeugend, bedeutet aber, dass keine lebenden Bakterien enthalten sind. Es handelt sich vielmehr um abgetötete Bakterien oder Bestandteile davon«, erklärt die Bestsellerautorin, deren neues Buch über das Hautmikrobiom im September erschienen ist (siehe Buchtipp).

Enthaltene Lysate und Co. sind laut der Mikrobiomspezialistin nicht unbedingt ein Negativkriterium, denn auch sie können gewisse positive Effekte auf die Haut haben, wie etwa Durchfeuchtung oder Barrierestärkung. Ihr Manko sei jedoch: »Sie können nicht wie die lebenden Bakterien kolonisierend wirken, sich in die Hautbarriere integrieren und unerwünschte Bakterien verdrängen. Deshalb hält deren Wirkung, anders als bei Produkten mit lebenden Bakterien, auch nur so lange an, wie sie aufgetragen werden.«

Was ist von präbiotischen Inhaltsstoffen in Hautpflegeprodukten zu halten? Axt-Gadermann nennt etwa Inulin, resistente Stärke, verschiedene Oligosaccharide oder Saccharid-Isomerat als Beispiele. »Sie können durchaus sinnvoll sein, weil sie den Mikroorganismen auf der Haut als Nahrung dienen. So stärken sie die Hautbarriere oder verbessern die Feuchtigkeitsversorgung. Aber auch für sie gilt: Sie können das Hautmikrobiom stärken. Aber es handelt sich um Pflanzenstoffe und nicht um lebende Bakterien. Sie können sich nicht ins Hautmikrobiom integrieren und haben kein Verdrängungspotenzial gegenüber Krankheitserregern.« Produktbeispiele sind Ibiotics® med mikrobiotische Hautlotion, Freiöl® Body Balm sensitive oder Lavera® Barrier Balance Tagespflege.

Verdrängung als Therapieansatz

Kosmetische Zubereitungen mit lebenden Bakterien gebe es nur sehr wenige, doch ihre Effekte in der Therapie von Hauterkrankungen seien bemerkenswert, schreibt Axt-Gadermann in ihrem Buch. So haben argentinische Wissenschaftler nachgewiesen, dass Wundauflagen mit lebenden Lactobacillus-plantarum-Bakterien bei Verbrennungswunden die Haut schneller und narbenärmer heilen lassen als die klassische Wundversorgung mit desinfizierender Silberbeschichtung. Lactobacillus paracasei scheint wirkungsvoll bei Kopfschuppen zu sein. Und eine kosmetische Anti-Aging-Zubereitung mit Cutibacterium acnes defendens – eigentlich als Aknebakterium bekannt – konnte das Hautbild insgesamt verbessern und die Faltentiefe verringern.

»In eigenen Studien konnten wir die Verdrängungseffekte des Bakterienkomplexes Baplexin® 621 bei Neurodermitis, Fußpilz und Fußgeruch nachweisen«, berichtet die Dermatologin über die Fixkombination aus neun entzündungshemmenden Bakterienstämmen (in Omnibiotic® Skin Hautbad, Fußbad oder Pflegesalbe). Besonders die Ergebnisse bei Neurodermitis seien eindrucksvoll.

»Nur lebende Bakterien ­können sich in die Haut­barriere ­integrieren und ausbreiten.«
Professorin Dr. Michaela Axt-Gadermann

Dazu muss man wissen, dass bei dieser chronisch entzündlichen Erkrankung Staphylococcus aureus alle anderen Hautbewohner an den entzündeten Stellen überwächst; die Diversität der Mikrobengemeinschaft verringert sich. Und – so erzählt Axt-Gadermann – es bestehe eine enge Korrelation der Menge von S. aureus mit dem Schweregrad des Hautbildes. »Durch regelmäßige Bäder in der Bakterienmischung ließe sich in placebokontrollierten Studien die Konzentration von S. aureus innerhalb von 14 Tagen ohne weitere Therapien um 84 Prozent zurückdrängen und gleichzeitig die Vielfalt des Mikrobioms erhöhen. Der Schweregrad der Neurodermitis besserte sich deutlich sichtbar, und zwar umso effektiver, desto stärker der Ausgangsbefund war. Entzündungsparameter nahmen ab, genauso wie Juckreiz, Trockenheitsgefühl und Schlafstörungen.« Zusatzbenefit: Im Gegensatz zur Therapie mit Glucocorticoiden bleibe die Haut nach dem Absetzen viele weitere Wochen deutlich gebessert, berichtet sie.

Pflanzenöle sind hautähnlich

Auch die Lipidkomponente dermaler Formulierungen hat Einfluss auf die Hautbarrierefunktion. Axt-Gadermann präferiert pflanzliche Öle, da sie teils ähnlich zusammengesetzt sind wie die natürlichen Fette unserer Haut, also Ceramide, Squalan, Fettsäuren und Cholesterol. »Die Inhaltsstoffe einiger Pflanzenöle ähneln den Substanzen auf unserer Haut. Sie können sich daher gut in die Hautbarriere integrieren und deren Regeneration unterstützen. Manche wirken zusätzlich entzündungshemmend.«

Vor allem Jojobaöl sei ein echter Allrounder. »Es integriert sich gut in die Barriere, ist in der Regel hervorragend verträglich und bietet einen Schutz vor freien Radikalen. Dazu ist es nicht komedogen. Studien zeigen eine ähnlich gute Wirkung wie Ceramide.« Das liegt vermutlich daran, dass es chemisch gesehen kein klassisches Öl ist, sondern ein flüssiges Wachs, das den eigenen Hautlipiden ähnelt.

Auch Sonnenblumen-, Weizenkeim- und – mit Abstrichen wie einem unangenehmen Geruch – Kokosöl erfüllten diese Kriterien in vielen Punkten (wie in Hyalusome® Konzentrat Gesichtsfluid von Dermasence, Freiöl® Pflegeöl und Figuröl oder Nutritic® Intense von La Roche Posay). Vom allseits beliebten Olivenöl riet die Dermatologin für die Verwendung auf der Haut dagegen ab. »Oleinsäurereiche Küchenklassiker wie Olivenöl und auch Arganöl sind bei empfindlicher Haut eher mit Vorsicht zu sehen. Oleinsäure integriert sich nicht in die Barriere. Es lockert dagegen den mauerartigen Aufbau der Hornschicht auf, reduziert die Stabilität und erhöht die Durchlässigkeit.« Studien mit Säuglingen und Kleinkindern mit Ekzemen oder Neurodermitis sprächen eine deutliche Sprache.

Und was ist mit ätherischen Ölen? Lavendel-, Rosmarin-, Thymian-, Teebaum- oder Zitrusöle finden sich häufig in Naturkosmetik. Darin übernehmen sie häufig eine Doppelfunktion: Sie ersetzen zum einen synthetische Duftstoffe, und zum anderen halten sie aufgrund ihrer starken antimikrobiellen Wirkung die Formulierung keimfrei.

Und hier ist der Link zur mikrobiomschonenden Hautpflege: »Ätherische Öle können auch in niedrigen und mittleren Konzentrationen das Hautmikrobiom schädigen«, weiß Axt-Gadermann. »Insofern sind sie synthetischen Konservierungsstoffen zur Haltbarmachung auf keinen Fall überlegen. Besonders Menschen mit sensibler oder vorgeschädigter Haut sollten Zubereitungen mit ätherischen Ölen meiden. Sie bringen nämlich noch zwei weitere Negativaspekte mit sich: Sie schädigen die Hautbarriere und haben oft starkes allergisierendes Potenzial.«

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