Auch eine Psychotheraüie kann unerwünschte Nebenwirkungen haben. / © Getty Images/SCIENCE PHOTO LIBRARY
»Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker« – einen solchen Hinweis gibt es zu fast jedem Medikament. Was vielen aber nicht bewusst ist: Auch wenn die Psychotherapie als wirksame Methode zur Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen gilt, birgt sie Risiken und kann unerwünschte Nebenwirkungen haben. Ausführlich aufgeklärt werden Patientinnen und Patienten aber längst nicht immer.
Zwei Experten geben Antworten auf wichtige Fragen zum Thema:
»Eine Psychotherapie ohne Nebenwirkungen kann es nicht geben«, sagt Bernhard Strauß vom Institut für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie am Universitätsklinikum Jena. Der Seniorprofessor beschäftigt sich seit langem mit den Ursachen und Auswirkungen unerwünschter Effekte der Psychotherapie.
Denn bei einer solchen Behandlung geht es darum, dass der Therapeut oder die Therapeutin gemeinsam mit dem Patienten über Gespräche etwas Grundlegendes ändern möchte. Kommen bei dieser Form von Aufarbeitung beim Patienten oder bei der Patientin schmerzhafte Erinnerungen hoch oder sind sie etwa mit Ängsten konfrontiert, sind unangenehme Emotionen wie innere Unruhe oder Trauer und Wut wahrscheinlich. Das kann sich beispielsweise in Weinen oder Verzweifeltsein äußern.
»Eine solche Art von Nebenwirkungen ist aber nötig, um das Problem in den Griff zu bekommen und den Weg für dauerhafte Veränderungen freizumachen«, so Strauß. In der Folge ist eine vorübergehende, aber notwendige Verschlechterung der Beschwerden des Patienten oder der Patientin möglich.
Ja, es gibt auch unerwünschte Nebenwirkungen in der Psychotherapie, wie der Psychiater Professor Michael Linden von der Charité in Berlin sagt. Das Spektrum der möglichen Nebenwirkungen ist relativ breit.