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ARFID
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Wenn Essen Ekel erregt

Viele Essstörungen entstehen aus dem Wunsch heraus, Gewicht zu verlieren. Nicht so ARFID: Betroffene empfinden regelrecht Angst oder Ekel vor manchen Nahrungsmitteln.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 02.03.2026  12:00 Uhr

Untergewicht und Mangel

Je nach Ausprägung der Essstörung können bestimmte Einschränkungen auftreten. »Eine Person, die zu wenig isst, wird eher Untergewicht entwickeln oder nicht ausreichend wachsen; wer sich eingeschränkt ernährt, wird eher Mangelerscheinungen zeigen«, erläutert Schmidt. ARFID könne jedoch auch mit einer Gewichtszunahme einhergehen, vor allem im Erwachsenenalter und wenn die Essstörung schon länger besteht. Das betrifft 34 Prozent der Erwachsenen mit ARFID, wie eine Studie der Universitätsmedizin Leipzig, die Schmidt leitete. Gerade bei diesen Patienten bliebe ARFID jedoch oft unerkannt, da die Gewichtssorgen als Hinweis auf andere Essstörungen oder als Folge von Diätverhalten fehlgedeutet würden.

»Während Picky Eating ein vorübergehendes Phänomen ist und sich von allein wieder gibt, ist ARFID deutlich stabiler und bessert sich nicht mit der Zeit.«
Dr. Ricarda Schmidt, Universitätsmedizin Leipzig

Anders als bei anderen Essstörungen wie der Magersucht besteht bei Betroffenen mit ARFID ursächlich nicht der Wunsch, das Gewicht zu verändern. Dennoch ist das Risiko für eine Mangelernährung und Folgeerkrankungen ähnlich hoch. »Das Essverhalten führt zu signifikanten körperlichen und psychosozialen Beeinträchtigungen«, weiß Schmidt. Kinder, die nur unzureichend zunehmen oder nicht ausreichend wachsen, bräuchten etwa eine enterale oder hochkalorische Ernährung. Im Alltag bestehen durch das Essverhalten häufig deutliche Einschränkungen und es kommt zu familiären Konflikten. »Während Picky Eating ein vorübergehendes Phänomen ist und sich von allein wieder gibt, ist ARFID deutlich stabiler und bessert sich nicht mit der Zeit«, erläutert Schmidt.

Kinder, die nur wählerisch mit dem Essen sind, würden zudem in größeren Gruppen, etwa in der Kita oder Schule, durchaus Nahrungsmittel ausprobieren, während das bei Kindern mit ARFID eher nicht der Fall wäre.

ARFID zeigt sich typischerweise bereits im sehr frühen Kindesalter, selten erst später im Leben. Wenn die Essstörung im Erwachsenenalter erstmals auftritt, gehen ihr oft traumatische Erlebnisse voraus. Betroffene hätten sich zum Beispiel verschluckt oder eine Magen-Darm-Erkrankung gehabt, die mit Erbrechen einherging, und so unangenehme orale Erfahrungen gemacht, erläutert die Expertin. Die Ursachen sind jedoch noch weitgehend unklar. Aber die Genetik könnte eine Rolle spielen: »Studien zeigen, dass die genetische Komponente für die sensorische Ablehnung höher ist als bei anderen Essstörungen«, so Schmidt.

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