| Barbara Döring |
| 02.03.2026 12:00 Uhr |
Dass sich ARFID von selbst »auswächst« oder allein mit Willenskraft überwunden wird, ist unwahrscheinlich. Studien zeigen, dass die Essstörung stabiler ist als zum Beispiel eine Anorexia nervosa und auch häufiger chronisch verläuft. »Wir sehen bei Erwachsenen, dass es einen positiven Effekt geben kann, wenn man das Elternhaus verlässt und eine eigenständige Entscheidung bezüglich der Nahrungsmittelauswahl treffen kann«, weiß die Psychologin. Einigen Patienten könne es dann gelingen, gezielt Nahrungsmittel zu integrieren, sodass sich die Symptomatik bessert.
Bei der Behandlung von ARFID kommt beispielsweise die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz, die je nach Ausprägung und Begleiterkrankungen ausgerichtet wird. Erste Studien zeigen dazu gute Erfolge. Vor allem essensbezogene Ängste ließen sich so gut behandeln, sagt Schmidt. Allerdings sei noch wenig bekannt, wie anhaltend die Erfolge seien. Alternativen sind die familienbasierte Therapie oder interdisziplinäre Ansätze, vor allem für jüngere Kinder. Die Zusammenarbeit mit Logopäden oder Ergotherapeuten kann hilfreich sein, wenn etwa Angst vor dem Schlucken oder Ersticken besteht oder um sich an verschiedene Konsistenzen von Lebensmitteln zu gewöhnen.
Wichtig ist laut Schmidt, dass Therapeuten andere Gründe, die das Essverhalten erklären könnten, ausschließen, etwa psychische Erkrankungen, Allergien oder den Wunsch, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Eltern sei zu empfehlen, möglichst wenig Druck aufzubauen, rät die Psychologin. Sie sollten eine möglichst entspannte Essensatmosphäre ermöglichen und das Essen nicht immer wieder thematisieren. Ermutigten Eltern das Kind immer wieder, etwas zu probieren, sei das eine ganz natürliche Reaktion. Dabei würde jedoch unbewusst Druck ausgeübt, der sich ungünstig auswirken kann. Sind die Konflikte groß, sollten sich Eltern nicht scheuen, ärztliche Hilfe zu holen. Der Kinderarzt ist dann der erste Ansprechpartner. ARFID kann die gesamte Familie stark beeinträchtigen. Dann sollte der Arzt zum Psychologen überweisen.